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des Eindringens des Kapitalismus in das Heerwesen schon aus derZeit vor den Kreuzzügen. Ich denke dabei nicht an das schon er-wähnte Söldnerheer, mit dem Karl Martell die Sarazenen schlug; denndas war eine vorübergehende Erscheinung. Beachtenswerter ist viel-leicht die Söldnerschar des Pietro Orseolo I., der 976—978 Doge vonVenedig war; 1 ) in Venedig war man eben naturnotwendig auf Söldnerangewiesen. Im 1 1. Jahrhundert finden wir apulische Normannen alsSöldner des Herzogs von Salerno; 2 ) ebenso standen die Truppen, mitdenen Robert Guiscard und sein Sohn Boemund dem griechischenReiche zusetzten, in ihrem Sold. Auch vom Grafen Fulco von Anjouwird berichtet, 3 ) daß er in dem Streit mit Odo von Chartres um Teileder Bretagne neben eigenen Leuten auch Söldner ins Feld gestellthabe, und die Markgräfin Mathilde 4 ) hatte Söldner aus allen Nationen,auch Deutsche, in ihrem Dienst. Überhaupt finden sich in den Söldner-
Illyriens, Thrakiens, der Bergbevölkerung Isauriens, Pisidiens , Lykäoniens rekrutiertwurden; aber sie waren schlecht bewaffnet, nicht eingeübt, militärisch wertlos. Nichtbloß die Krieger des Abendlands, sondern auch der Jude Benjamin von Tudela , derum das Jahr 1170 Konstantinopel besuchte, schreibt über die Griechen: »Sie mietenvon allen Nationen Krieger, Barbaren genannt, um gegen den Sultan Masud, denKönig der Seldschuken, die Türken genannt werden, zu kämpfen; denn die Ein-geborenen sind nicht kriegerisch, sondern wie Weiber, die keine Kräfte zum kämpfenhaben. (The itinary of Benjamin of Tudela by M. N. Adler, London 1907, P- I 3 -)Vgl. auch Ch. Diehl, Justinien et la civilisation byzantine au Vl me siöcle. Paris 1901,p. 146 und Etudes Byzantines, Paris 1905, p. 126. — Gfrörer, Byzantinische Ge-schichten III, 1 1 3, 167.
') Petrus Damianus, Vita S. Romualdi c. 5 Mon. Germ. Hist. Script. IV, 848:Petrus, cognomine Ursiolus, . . . multos ex Langobardiae et Tusciarum partibus milites,profligatis pecuniarum stipendiis acquirebat.
2 ) Ex Orderici gestis Ducum Normanorum, Mon. Germ. Hist. Script. XXVI, 7:Primus Apuliensibus Normannis, dum adhuc et advenae Waimalchi ducis Salerniaestipendiarii erant, prefuit Turstinus etc.
3 ) Richeri historiarum lib. IV, 82. Mon. Germ. Hist. Script. III, 650: Necminus Fulco, copias parabat, et exercitum tarn de suis quam conducticiis congregabat.
4 ) Donizo, vita Mathildae II, v. 34 ff. Mon. Germ. Hist. Script. XII, 380:
Gens Alemanna quidem sibi gratis servit ubique.
Russi, Saxones, Guascones atque Fresones,
Arverni, Franci, Loteringi quinve Britanni,
Hane tantum noscunt, quod ei sua plurima poscunt.
Post ipsam gentes hae mittunt saepius enses.
Omnibus ex istis equites habet alta Mathildis.
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