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lassenen Schätze nahm er ausländische Ritter in Sold, die ihm einstehendes Heer von 1000 von ihnen geworbenen Söldnern schufen,das kein anderes Interesse als Stephans Gold kannte. 1 ) Der einfluß-reichste seiner Condottieri war Wilhelm von Ypern, der Krieger nie-deren Standes, Bürger und Handwerker in seinen Sold nahm; in ähn-lichem Verhältnis befanden sich Ritter aus der Bretagne . Wie über-legen die so entstandene kapitalistische der feudalen Kriegsorganisationwar, tritt uns anschaulich in den Angriffskriegen des genannten Hein-richs I. von England im Gegensatz zu denen seines Schwiegersohns,des Kaiser Heinrichs V., entgegen. Heinrich I. besiegte mit seinerÜbermacht geworbener Truppen 1119 bei Brdmule spielend 2 ) dasauserlesene Ritterheer Ludwigs VI. von Frankreich; Kaiser Heinrich V. dagegen mußte 1124 von dem von ihm beabsichtigten Feldzug gegenFrankreich abstehen. 3 ) Der König von Frankreich bot seine Vasallengegen ihn auf; für sie handelte es sich nicht um einen Angriffskrieg,sondern um die Verteidigung ihres angegriffenen Lehnsherrn; da warihre Pflicht unbeschränkt; sie strömten in Massen herbei; 4 ) dem Kaiserdagegen hatten die zu einem Feldzug gegen die Sachsen versammeltenFürsten die Heerfahrt gegen Frankreich verweigert; ein Söldnerheeraber stand dem Kaiser nicht zur Verfüguinm Am drastischsten illus-trieren, wie hilflos schon in der Feudalzeit mittellose Führer waren,Vorkommnisse, wie sie der große Boemund und später der Sire deJoinville, der Vertraute und Biograph Ludwigs des Heiligen, erlebthaben. Als sich Kaiser Alexios I. des Boemund nur schwer erwehrenkonnte, spielte er, wie Anna Komnena berichtet, 5 ) »ihm einen Streich,
equis protubare, sed est in captionem abducere: non solum advenae, sed etiamindigenae milites qui pacem regis Henrici oderant, quod sub ea tenui victu vitamtransigebant.
9 J. M. Lappenberg, Geschichte von England II. Hamburg 1837, S. 305, 306.
2 ) Ordericus Vitalis, a. a. O. 1. XII, ed. Le Prevost IV, p. 361: Tres solum-modo interemptos fuisse comperi.
3 ) Vgl. Weiland, a. a. O. S. 167. — Gerold Meyer von Knonau, Jahr-bücher des Deutschen Reichs unter Heinrich IV. und Heinrich V., Band VII, 278.
4 ) Vgl. Oeuvres compl£tes de Suger, ed. A. Lecoy de la Marche, 54, 55.
5 ) In den Denkwürdigkeiten aus dem Leben ihres Vaters, V. Buch.