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Die Anfänge des modernen Kapitalismus : Festrede gehalten in der öffentlichen Sitzung der K. Akademie der Wissenschaften am 15. März 1913
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dessen sich dieser am wenigsten versah. Er schickte Unterhändler insein Lager, die mit Hilfe vieler Versprechungen die da befindlichenGrafen anstiften mußten, von Boemund ihren Sold zu fordern undihn, wenn er nicht bei Geld wäre, zu zwingen, die Armee zu verlassenund die erforderliche Summe bei seinem Vater zu holen. Außerdembot er jedem, der in seinen Dienst treten würde, reichlichen Sold undpünktliche Erfüllung der Kapitulation. Dem aber, der Lust bezeugte,nach Hause zurückzukehren, versprach er, sicheres Geleit durch Un-garn zu verschaffen. Die Grafen ließen sich leicht bereden und for-derten ungestüm ihren seit vier Jahren rückständigen Sold. Boemundhatte kein Geld. Er suchte allerhand Ausflüchte, wollte sie auf dieZukunft vertrösten, fand aber kein Gehör. Dieser widrige Umstandnötigte ihn, nach Aulon zu gehen . . . Jetzt konnte der Kaiser einmalin seiner Hauptstadt als Sieger erscheinen.« Der Sire de Joinvilleaber begleitete seinen König auf seiner Kreuzfahrt mit einer Anzahlvon Rittern. Kaum waren sie in Cypern angekommen, als diese ihmerklärten, ihn verlassen zu wollen, wenn er sich nicht mit weiterenMitteln, sie zu bezahlen, versehe. 1 )

Es erhellt: im Angriffskrieg versagt das Feudalsystem; man mußdie Dienste des Ritters gegen Geld kaufen. 2 ) Das ist der erste An-satz zum Eindringen des Kapitalismus in das Kriegswesen. Man kauftsich die benötigten Reiterdienste gegen Geld und das Versprechen

*) Collection universelle des memoires particuliers relatifs a lhistoire de France,t. I, p. 58, Londres 1785. Die Stelle lautet: »Et quant je fu arrive en Chippre,je navoie plus que douze vingt livres tournois dor ne dargent, quant je eu payöma nef. Tellement que plusieurs de mes Chevaliers me disdrent, quilz me aban-donneroient, si ne me pourveoye de deniers.« Der gleiche Vorgang hat sich unterKönig Heinrich I. von Cypern daselbst abgespielt. Siehe Assises de Jerusalempubliees par le Comte de Beugnot I, 384, Paris 1841.

2 ) Wir sehen sogar die ritterlichsten Könige keinen Anstand nehmen, es zuversuchen, sich die Krieger durch Angebot höheren Lohns auszuspannen. So nichtnur Kaiser Alexios I. dem Boemund seine Ritter, wie soeben im Texte erzähltworden ist, sondern selbst Richard Löwenherz hat im hl. Lande den Rittern imDienste Philipp Augusts von Frankreich einen höheren Sold geboten, wenn sie inseinen Dienst eintreten wollten. (Continuatio de Guill. de Tyr. p. 180; Ricardi regisitiner. Hierosol. ap. Gale, Hist. Angl. Script. II, 332.)