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Die Anfänge des modernen Kapitalismus : Festrede gehalten in der öffentlichen Sitzung der K. Akademie der Wissenschaften am 15. März 1913
Entstehung
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finden wir allenthalben das, was die Hörigen zu leisten hatten, verschieden,je nachdem sie Abkömmlinge waren der unterworfenen Stammesfremdenoder als Stammesangehörige eines besseren Rechtes teilhaftig waren.

Von Anfang an also sehen wir die Wirtschaftseinheiten von zwei Prin-zipien beherrscht: in ihrem Verhalten nach Außen vom Streben nach Wahr-nehmung des größtmöglichen Vorteils, nach unbegrenztem Reichtum undMacht, in der Ordnung der Beziehungen ihrer Mitglieder zu einander durchAutorität und Herkommen durch den Gesichtspunkt, einem jeden ihrer An-gehörigen das, was nach seinem Stande und Rechte als unentbehrlich zurBestreitung seines Unterhalts gilt, zukommen zu lassen.

Der Wandel in diesem die inneren Beziehungen der Mitglieder einerWirtschaftseinheit beherrschenden Prinzip tritt ein, in dem Maße, in dem dieWirtschaftseinheit sich auf löst, und diese Wandlung tritt ein in dem Maße,in dem eine Wandlung eintritt zuerst von der Naturalwirtschaft zur Wirt-schaft für einen Markt, sodann eine Änderung in den Verhältnissen desMarkts, auf dem man seine Produkte verkauft. In dem Maße, in dem eineVolkswirtschaft Güter für den Absatz in einer anderen herstellt, gerät sie inAbhängigkeit von den Marktverhältnissen, und in dem Maße, in dem freieKonkurrenz auf dem Markte eintritt, von dem Streben nach dem größt-möglichen Gewinn.

Der auswärtige Absatz ist zuerst ein zufälliger, unregelmäßiger ge-wesen. Allmählich entstanden regelmäßige Handelsbeziehungen auf Grundder schon erwähnten Privilegien und Monopole. Mit dem Aufkommen desmodernen Staates wurden diese Privilegien beseitigt. Als der moderne Staatsich zu entwickeln begann, trat er auf als Befreier des Individuums vonmittelalterlicher Gebundenheit im Innern, und nach Außen beseitigte er alleden Ausländern erteilten Vorrechte zu Gunsten der freien Entfaltung derKräfte seiner Staatsangehörigen. Damit trat für die Kaufleute der ver-schiedenen Nationen an die Stelle der Herrschaft, welche sie bis dahin aufverschiedenen fremden Märkten geübt hatten, die lebhafteste Konkurrenz,nicht nur mit den Kaufleuten fremder Nationen und Städte, sondern auchunter Auflösung der alten Gildebande, die sie in gewissem Maße zu einerWirtschaftseinheit vereint hatten, unter einander. Das letztere hatte sichschon früher angebahnt in dem Maße, in dem der auswärtige Handel anBedeutung gewonnen; ein Zeichen dafür ist der Wegfall der Haftung derKaufleute einer Stadt für Delikte und Schulden eines der ihren.

Diese Konkurrenz auf den auswärtigen Märkten übt eine Rückwirkungauf das innere Wirtschaftsleben. Wenn das Streben nach dem größtmög-