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gesagt, 1 ) wo sie wohnen sollten, frei von sich selbst regiert, mit venezi-anischem Gerichte.
Dies Anfang, Verlauf und Ende des vierten Kreuzzugs. Was sich inihm im Großen abgespielt hat, ein zu Erwerbszwecken unternommener Krieg,hat sich in der Geschichte des Wilhelm von Champlitte in kleinerem Maß-stab dann wiederholt. 2 ) Der Graf von Champagne war es gewesen, in dessenKopf das Projekt des vierten Kreuzzugs entstanden war. Er war als Ober-feldherr in demselben ins Auge gefaßt worden. Aber bevor er dieses Amthatte antreten können, war er gestorben unter Hinterlassung zweier jüngererBrüder. Als diese hörten, die Kreuzfahrer hätten sich statt zum heiligenLand gegen das griechische Reich gewandt und dort Herrschaften begründet,kamen sie überein, daß einer von ihnen zu Hause bleiben, der andere sichaber nach dem griechischen Reich begeben sollte, um dort gleichfalls Er-oberungen zu machen. Der jüngste, Wilhelm, wurde als der unternehmenderedazu auserwählt, soviel Mannschaften, wie möglich zusammenzubringen, umsich nach Morea zu begeben und dort aus eroberten Ländern und Städtenein neues Familienbesitztum zu gründen. Sein älterer Bruder gab ihm zudem Zweck alles Bargeld, das sich im Familienbesitz fand, und Wilhelmbegann nun, Mannschaften um sich zu sammeln. Aus Burgund strömtenihm viele Leute zu. Die einen waren arme Leute, die gegen Sold sich ver-dingten; die anderen, die reich waren, folgten, um für sich ein Familien-besitztum zu erobern. Sie gingen nach Venedig, mieteten sich da Schiffeund versahen sich mit allem zu ihrem Unternehmen Nötigen. Darauf fuhrensie im März 1205 nach Morea und bauten sofort nach ihrer Landung einSchloß, das ihnen als Stützpünkt dienen sollte. Den Griechen ward Plün-derung angedroht, falls sie sich nicht unterwürfen, und Tod ihnen und ihrenFamilien. Darauf erfolgte der Abschluß von Verträgen zwischen ihnen undWilhelm von Champlitte; die Söhne der vornehmen Familien im Besitz von
gang des byzantinischen Reichs im Jahre 1204 mit Pisa und Genua geschlossenhaben.) Ähnlich nach der eigenen Darstellung von Villehardouin (Ziffer 83, 84) dieNichtachtung des Einspruchs des Papstes gegen die Belagerung von Zara . DaherNorden mit Recht schreibt (S. 83): »Venedigs Beziehungen zum Papsttum, weitentfernt einen venezianischen Verrat unwahrscheinlich zu machen, konnten viel eherdazu verleiten, an einen solchen zu glauben.«
*) Daran, daß ihnen zu dem Warenhause (Fondaco) in Alexandrien , das siedort schon besaßen, noch ein zweites durch die Privilegien von 1208 verliehenworden ist, hält Heyd, Geschichte des Levantehandels I, 445, trotz Hanotaux fest.
2 ) Vgl. darüber Chronique des guerres des Frangais en Romanie et en Moreein Buchon, Collection des Chroniques nationales francjaises, Paris 1825, pp. 108 ff.