So
Genusses sich nicht durch die Bereicherungskunst verschaffen könnten, siedies auf anderem Wege versuchten, indem sie ihre Anlagen und Kräfte,der natürlichen Bestimmung zuwider, dazu verwendeten. Augenscheinlichdenkt er an die, welche um der Bereicherung willen, sich als Söldner ver-dingten; ferner an die Condottieri und die Ärzte, von denen die einen ihreFeldherrnkunst die anderen ihre Heilkunde in den Dienst des Gelderwerbsstellten, denn er fährt fort: »Die Mannhaftigkeit ist nicht bestimmt, Geld zuverschaffen, sondern Mut; ebensowenig die Kriegskunst oder Heilkunde,sondern die eine, um Sieg, die andere, Gesundheit zu verleihen. Jene Leuteaber machen alle Künste zu Mitteln der Bereicherung, da ja dies ihr Zwecksei und auf den Zweck Alles bezogen werden müsse.«
Diese Ausführungen des Aristoteles scheinen, ebenso wie sie auf KarlMarx nicht ohne Einfluß gewesen sind, auch Sombart beeinflußt zu haben,als er den Gegensatz der Wirtschaft des Mittelalters zu der unserer Zeit inden Gegensatz zwischen handwerksmäßiger und kapitalistischer Organisationder Wirtschaft setzte; doch weicht Sombart , wie wir gleich sehen werden,in sehr wesentlichen Punkten von Aristoteles ab.
Handwerk ist nach Sombart ein in der Hauptsache auf Handarbeitberuhender Betrieb, der technisch unvollkommen für einen sei es lokalen,sei es durch Privilegien geschützten interlokalen Markt produziert. Soweitstimmt Sombart mit der allgemeinen wissenschaftlichen Auffassung überein.Aber er fügt seiner Definition des Handwerks noch als weiteres Merkmalhinzu: das Ziel des Handwerkers geht nicht weiter, als sich durch Austauschseiner Leistungen oder seiner Erzeugnisse gegen entsprechende Äquivalenteseinen Lebensunterhalt zu verschaffen; es geht nicht weiter als auf Beschaf-fung der »Nahrung«. Diese eigenartige Wirtschaftsorganisation ist nachSombart auf dem Gebiete der gewerblichen Produktion entstanden; sie ist —und er bezeichnet dies als einen der Grundgedanken seines Werks — »als-dann bestimmend geworden für den Gesamtcharakter des Wirtschaftslebenswährend langer Zeiträume, ebenso wie es später die aus kaufmännischemGeiste geborene kapitalistische Unternehmung wird. Ehemals erschien auchder Llandel als Handwerk, heute erscheint auch die Produktion als kauf-männisches Unternehmen«. Er betrachtet das Handwerk so, wie er esdefiniert, als typisch für die mittelalterliche Wirtschaft.
Die kapitalistische Unternehmung definiert Sombart als »die Wirtschafts-form, deren Zweck es ist, ein Sachvermögen durch eine Summe von Ver-tragsabschlüssen über geldwerte Leistungen und Gegenleistungen zu ver-werten«. Bei ihr erscheint nicht der Mensch, sondern das Sachvermögenals der Mittelpunkt, um den Alles sich dreht; der Leiter des Betriebs ist