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Also der grundbesitzlose Freie wurde durch Handel bereits in Stand gesetzt,dieselben Lasten wie der grundbesitzende zu tragen, was sehr gegen dieSombartschen Aufstellungen spricht. Pisas Lage am schiffbaren Arno prä-destinierte es zum Handelsemporium in jener Zeit. Es wurde Hafen für diebis dorthin eindringenden Seeschiffe; andererseits erleichterte der Arno denweiteren Vertrieb in das Binnenland. Zu seinen Messen strömte man vonallen Seiten zusammen. Mohamedanische Kaufleute aus Asien und Afrika waren dort nicht ungewohnte Erscheinungen. Daher der Mönch Donizo inseiner 1116 geschriebenen Vita Mathildae Comitissae schilt:
Qui pergit Pisas, videt illic monstra marina.
Haec urbs Paganis, Turchis, Lybicis quoque Parthis
Sordida; Chaldaei sua lustrant litora tetri.
Umgekehrt fuhren die Pisaner, um Handel zu treiben, nach dem da-mals sarazenischen Palermo . In seiner Blütezeit soll Pisa 200 000 Einwohnergehabt haben, eine Zahl, die wie alle mittelalterlichen Zahlenangaben mitMißtrauen aufzunehmen ist, immerhin aber, wenn man die noch heute auf-fällige Größe des pisaner Stadtgebiets ins Auge faßt, ausnahmsweise zutref-fend gewesen sein könnte. Sein durch Handel erworbener Reichtum gabihm solche Macht, daß es Tunis eroberte und vorübergehend besaß. Im11. Jahrhundert eroberten die Pisaner Sardinien , und der Papst, der sie auf-gefordert hatte, die Insel den Sarazenen zu nehmen, ließ ihnen den Besitz.Klug, ihren .Handelsvorteil berechnend, unterstützten die Pisaner dann dieNormannen, als diese daran gingen, die Araber aus Sizilien zu vertreiben.Dann aber benützten sie einen Krieg des Normannenkönigs Roger mit seinenunteritalienischen Vasallen, um 1136 Amalfi zu zerstören und die letzte Blüteder alten Handelsrivalin zu vernichten. Und ebenso unterstützten die Pisaner,durch Handelsvorteile gewonnen, den Kaiser Heinrich VI. bei Gewinnungdes normännischen Reichs in Sizilien und wurden von ihm dauernd derghibellinischen Sache gewonnen. Allein auch selbständig gingen sie auf Er-oberungen aus und unterwarfen sich Korsika und die Balearen.
Besonders innige Handelsbeziehungen bestanden zwischen den Pisanernund den Arabern in Afrika . Um die Zeit der Kreuzzüge erfolgte die Tren-nung des Magreb von den übrigen arabischen Reichen. Daher auch Fort-dauer ihrer Handelsfreundschaft mit den dort wohnenden Arabern trotz derKreuzzüge, wie ihre zahlreichen, uns erhaltenen Handelsverträge mit denArabern zeigen. In Afrika traten sie auch in Beziehungen zur arabischenKultur. Der Vater des Leonardo Pisano, von dem Sombart die Entstehungdes Kapitalismus datiert, war pisaner Zollbeamter in Bugia in Afrika . Dort