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Die Anfänge des modernen Kapitalismus : Festrede gehalten in der öffentlichen Sitzung der K. Akademie der Wissenschaften am 15. März 1913
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Ursache, sondern als Wirkung desselben hinweist; aber von den Reichtümerndieser Damen will der Pfarrer lieber nicht reden. Sehr gut aber verstehter die Ursachen des Reichtums von Cypern, der unter Anderem den dor-tigen Reichen gestattet, die dortigen galanten Damen mit solchen Vermögenzu beschenken. »Auch auf Cypern«, schreibt er, gibt es sehr reiche Kauf-leute; auch ist dies nicht zu verwundern, denn Cypern liegt am Ende derChristenheit; als Folge müssen alle Schiffe und alle Waren, welcher Artimmer sie sind, und woher immer sie kommen, notwendig stets zuerst nachCypern kommen; sie können es in keiner Weise umgehen. Auch müssenalle Fremde, aus welchen Teilen der Welt sie nach dem überseeischen Landgehen wollen, nach Cypern kommen. Täglich hört man da alle Nachrichtenund Neuigkeiten von Sonnen-Aufgang bis Untergang. Auch hört und liestund spricht man in Cypern täglich alle Sprachen der Welt und in besonderenSchulen werden sie alle gelehrt.«

Gleiches Verständnis für die Bedeutung des Handels für den Reichtumeines Landes zeigen die Reden der Königin Veritas an den König Karl VI. von Frankreich im »Songe du vieil pelerin« von Philippe de Maizieres ausdem Jahre 1381. 1 ) Darin wird an dem Königreich Cypern im Vergleich zuanderen Ländern dargetan, daß ein Land, das sich, wie das KönigreichSchottland und andere, nordische Länder, auf den Ackerbau beschränke,

denn Sombart dürfte das Verlangen nach dem »Weibchen« doch nicht für »natur-widrig« erklären, für etwas, was voraussetze, daß »dem naturalen, dem triebhaftenMenschen erst alle Knochen im Leibe gebrochen und ein spezifisch rational ge-stalteter Seelenmechanismus an die Stelle des urwüchsigen, originalen Lebens gesetzt«worden sei. (Siehe Sombart , Die Juden und das Wirtschaftsleben, 1911, S. 281;vgl. dazu S. 272, 27g.) Jedenfalls zeigt die Reisebeschreibung des Ludolph aus demJahre i35°> daß das »Weibchen« weit früher geboren ist, als Sombart S. 64, 65 seinesBuches von 1913 meint. Jeder der die Geschichte des Mittelalters von Fredegundeangefangen bis hin zur Beherrschung des päpstlichen Stuhls durch Theodora undMarozia, zur Zeit, da Rom feudalisiert war, und zu den Mätressen der feudalenKönige und Großen des Abendlands kennt, weiß, daß das Auftreten des »Weib-chens« mit keiner besonderen Art von Wirtschaftsverfassung etwas zu tun hat.Hat man doch in der Zeit der feudalen Wirtschaftsordnung sogar das Halten von»meretrices« durch Belehnung mit Land vergolten. So lese ich in den FragmentaAntiquitatis, Ancient tenures of land etc. by T. B. of the Inner Temple, London 1679 p. 8: Pia. Coronae 19 Henr. 3 Surrey: Robertus Testard tenuit quandamterram in Villa de Guideford per seriantiam custodiendi meretrices in Curia DominiRegis. Et arrentata est ad XXV s; ferner p. 39. Pia. Cor. apud Windesor. 12. Edw. Irot. 28 in dorso : In Bokhampton Willielmus Hoppeshort tenet dimidiam Virgatamterrae in eadem Villa de Domino Rege; per servitium custodiendi Domino Regisex Damiselias, seil. Meretrices, ad custum Domini Regis. Siehe daselbst auch p. 82.

*) Siehe L. de Mas Latrie, a. a. O. II 383 ff.