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hoc perfnaneat apud Deum.« Wie aber steht es mit dem Worte »Beruf« imSinne von »umgrenztem Arbeitsgebiet« in den Sprachen der lateinisch-katholischen Völker? Hieronymus hat die Stelle Jesus Sirach XI, 20 u. f.,in deren Übersetzung Luther nach Weber als Erster das Wort »Beruf«»ganz in unserem Sinne«, d. h. wohl im Sinne von »umgrenztem Arbeits-gebiet« gebraucht hat, in der Vulgata folgendermaßen wiedergegeben: »Stain testamento tuo, et in illo colloquere et in opere mandatorum tuorumveterasce. Ne manseris in operibus peccatorum. Confide autem in Deo etmane in loco tuo«; aber auch die von der calvinistischen Kirche in Genf herausgegebene Bibelübersetzung giebt die Stelle mit folgenden Wortenwieder: 1 ) »Demeure en ton rang et t’exerce en celui, et vieilli en faisantton office. Ne t’emerveille point des oeuvres du meschant: fie toi au Seig-neur, et continue en ton labeur«. Also auch die calvinistische Wieder-gabe der Stelle kennt da, wo Luther das Wort »Beruf« im Sinne von um-grenztem Arbeitsgebiet gebraucht, keine anderen Worte als das von Weberfür »ethisch farblos« erklärte office, von officium, dem Worte, das imchristlichen Altertum und im Mittelalter unzählige Male im Sinne von Amt,umgrenztem Arbeitsgebiet, gebraucht wird, und »labeur« gleich dem in derVulgata gebrauchten Wort opus. Dabei hat Weber diese Übersetzung derStelle bei Calvin selbst gekannt, 2 ) und wenn sich das Wort »Beruf« imSinne von umgrenztem Arbeitsgebiet in der deutschen Sprache auch erstbei Luther findet, so soll doch nach Weber nicht Luthers, sondern Calvins Auffassung vom Berufe für die Entstehung des kapitalistischen Geistes maß-gebend geworden sein!
Allein es ist gar nicht richtig, daß die Vulgata in der Übersetzungvon Jesus Sirach XI, 20 f., wo die Luthersche Bibelübersetzung »Beruf«schreibt, lediglich »opus« geschrieben habe; Hieronymus hat — ich habeseine Übersetzung oben wiedergegeben — »opus mandatorum tuorum«geschrieben, und dieser Zusatz scheint mir von Wichtigkeit. Das heißtentweder soviel wie »werde alt in der Verrichtung der Arbeit, die Gottdurch seine Mandate dir auf erlegt hat«, also in der Erfüllung der dir vonGott gestellten Aufgabe, deiner Berufspflichten, m. a. W. das wäre das-selbe, was Luther , nach Weber, mit dem Worte Beruf hat ausdrückenwollen; es läßt sich aber vielleicht auch anders erklären. Das deutsche Wort »Beruf« ist, wie gesagt, die genaue Wiedergabe von vocatio. Vo-catio wird bei den kirchlichen Schriftstellern in erster Linie von der Beru-
*) La Bible etc. herausgegeben par les pasteurs et professeurs de l’Eglise deGen^ve. 1588. Blatt 43, auf der Rückseite des Blatts.
2 ) Archiv für Sozialwissenschaft etc. XX, S. 37.
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