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dürfte der Löwenanteil allerdings auf die • aufblühenden Niederlande ge-kommen sein; und auch später unter Philipp II. und III. dürften sie alsEinwanderungsland von den vertriebenen Juden bevorzugt worden sein, zumalsie damals in ihrem Unabhängigkeitskampf gegen eben den spanischen König, welcher die Juden vertrieb, begriffen waren. Allein die Niederlande waren lange vorher das reichste Land nördlich der Alpen , und der enormeAufschwung, der Antwerpen im 16. Jahrhundert bis zu seiner Zerstörungdurch die Spanier im Jahre 1575 zur führenden Handelsstadt Europas ge-macht hat, datiert nicht von der Einwanderung der Juden, sondern von demZuströmen von fremden christlichen Kaufleuten aus allen Teilen Europas .Augenscheinlich ist das Kausalverhältnis das umgekehrte des von Sombart behaupteten. Nicht wo Israel hinkommt, sprießt neues Leben empor, sondernwo ein wirtschaftlicher Aufschwung stattfindet oder zu erwarten ist, da ziehtIsrael hin. Die Türken waren im Aufsteigen, als sich die enorme Mehr-zahl der aus Spanien vertriebenen Juden dahin wandte; Italien stand nochin voller Blüte, als sie die italienischen Städte überfluteten; von den nörd-lichen europäischen Ländern waren die Niederlande das blühendste, als siesich dorthin wandten, und in Deutschland waren nur noch Frankfurt undHeimburg 1 ) von Bedeutung; daher sind sie in diese und nicht in anderedeutsche Städte eingewandert; in England zeigten sich seit Eduard IV. undden ersten Tudors schon die Zeichen des Aufsteigens, und die skandinavi-schen Länder begannen damals das Joch der Hanseaten abzuschütteln. Wäredas Kausalverhältnis das von Sombart behauptete, wie ließ es sich erklären,
') Übrigens führen nach Dr. A. Feilchenfeld, Anfang und Blütezeit der Portu-giesengemeinde in Hamburg, Zeitschrift des Vereins für Hamburger Geschichte X,20off., auf den sich Sombart beruft, die ältesten Spuren der Anwesenheit portugiesi-scher Juden in Hamburg auf die siebziger Jahre des 16. Jahrhunderts. 1603 ge-schieht ihrer zum erstenmal amtlich Erwähnung. 1607 wird vom Senate festgestellt,daß nur 7 portugiesische Judenfamilien und 2 Junggesellen in Hamburg leben. Siebringen der Stadt bedeutende Einnahmen durch Zoll (mehr als 10000 Mark in dreiJahren). Von 1612 ab wurden sie als Schutzverwandte gegen eine jährliche Abgabevon 1000 Mark aufgenommen. Der damalige Bestand der jüdisch-portugiesischenBevölkerung betrug 125 erwachsene Personen ohne die Kinder und das Gesinde.Sie begründen den Handel auf Spanien und Portugal. Um die Mitte des 17. Jahr-hunderts gingen rund 20 Proz. aller von Hamburg auslaufenden Schiffslasten nachSpanien und Portugal, während von dort ca. 150 Fahrzeuge jährlich in den Ham-burger Hafen einliefen. Besonders kam Rohrzucker von dort; ferner ostindischeKattune, spanisch-portugiesische Weine, Öl, Südfrüchte, Farbhölzer, Pfeffer und Ge-würze. Auch Brasiltabak. Ausgeführt wurden Getreide, Leinwand, vlämische Tuche.Sie brachten ansehnliche Kapitalien nach Hamburg. Ende des 17. Jahrhunderts Ver-fall der jüdisch-portugiesischen Herrlichkeit in Hamburg.