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Die Anfänge des modernen Kapitalismus : Festrede gehalten in der öffentlichen Sitzung der K. Akademie der Wissenschaften am 15. März 1913
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rechten Hand. Nach Deinem Ratschlüsse wirst Du mich leiten und mich . . .annehmen. Wen habe ich im Himmel? und außer Dir begehre ich nichtsauf Erden. Wäre gleich mein Fleisch und mein Herz dahingeschwundenGott ist immerdar meines Herzens Fels und mein Teil«? Er-verweilt nurbei jener Rationalisierung des Lebens, die dem Judentum alle Anschaulichkeit,alle aufnehmende schöpferische Sinnenkraft, »alles unmittelbare Sich-in-die-Welt-, Sich-in-die-Natür-, Sich-in-den-Menschen-Versenken« genommen undden Juden fremd gemacht habe »der heiligen Begeisterung für das Göttlichein der Sinnenwelt«. 1 )

Also es fehlt den Juden infolge des Einflusses ihrer Religion alleAnschaulichkeit, alle aufnehmende und schöpferische Sinnenkraft und jed-wede Begeisterung für das Göttliche in der Sinnenwelt! Darauf hat schonSteckelmacher geantwortet, indem er darauf verwiesen, 2 ) wie ganz andersHerder in seinem Geiste der hebräischen Poesie gedacht habe, und denPhilosophen Lotze zitiert hat, wo er in seinem Mikrokosmos von dem vollenrauschenden Strome des Gottesbewußtseins spricht, das schon lange vor Ari-stoteles das Leben des hebräischen Volkes durchdrungen habe und in derheiligen Poesie desselben mit einer Mächtigkeit flute, gegen deren zweifel-lose Realität der höchste Schwung griechischer Ahnung als problematischeVermutung erscheine. Und wer auch nur den Psalm 104 Oder die Schilderungder Unerforschlichkeit und Allmacht Jahves bei Jesaia 40 gelesen habensollte, wird Sombarts Urteil nur als aprioristische Ableitung aus dem vonihm aufgestellten Dogma begreifen, die er vornehmen mußte, um seineThese von der abstrakten Geistigkeit der Juden halten zu können. 3 )

Wie aber steht es denn mit jenem Dualismus, wonach Natur undSittenlehre miteinander in Widerspruch stehen, mit jener Grundlage der

r ) Siehe Sombart a. a. O. S. 244, 317. 2 ) Steckelmacher a. a. O. S. 44.

3 ) Genau so verhält es sich, wenn Sombart (S. 323fr.) aus dem Intellektua-lismus der Juden die Behauptung ableitet, sie seien die geborenen Verkünder des»Fortschritts«. Leider pflegen sie dies nur so lange zu sein, als sie unterdrückt sind.In Holland , wo sie dies nicht waren, waren sie gegen den Fortschritt. Sie warengegen Cromwell und Anhänger des Hauses Stuart , und verbargen dies nur, um inEngland wieder zugelassen zu werden. (Siehe Hyamson a. a. O. p. 18g.) Stahl,ein Jude im Sombartschen Sinn, schuf das reaktionäre Programm, von dessen Ge-danken die preußischen Konservativen heute noch leben, und heute haben wir jüdischeRitterguts-, sogar jüdische Fideikommißbesitzer (das Wort Jude im Sombartschen Sinnegenommen). Zur Zeit, als Stahl sein reaktionäres Programm schuf, war aber Bis-marck, dem der Konservatismus nach Sombart im Blute gesteckt hat, radikal, undCarlyle, von dem er dasselbe sagt, stammte von Schweinefleisch fressenden Juden,von Puritanern! Ich möchte umgekehrt sagen: wo immer die Juden in ihrem Be-sitze geschützt und ihre Gleichberechtigung mit den übrigen Gesellschaftsklassen an-

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