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Die Anfänge des modernen Kapitalismus : Festrede gehalten in der öffentlichen Sitzung der K. Akademie der Wissenschaften am 15. März 1913
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welche nicht Israeliten gewesen seien, sondern den von den Hebräern unter-worfenen Stämmen angehört hätten. Als ihre Herren ins Exil geführtworden, seien sie aus bloßen Bebauern fremden Eigens zu Eigentümerndes von ihnen bewirtschafteten Landes geworden. Und allerdings scheintXebusar-Adan die kluge Politik verfolgt zu haben, die Mächtigen ins Exilnach Babylon zu führen und zu versuchen, sich durch Ausstattung derzurückbleibenden Geringen mit dem konfiszierten Lande der FortgeschlepptenFreunde im Lande zu erwerben. Aber Sombart hat gar nichts dafür bei-gebracht, daß diese zurückgebliebenen Geringen nicht auch Juden gewesenseien. Gewiß, daß nicht wenige Stellen 1 ) zeigen, daß die Vorschriften, 2 )welche die wenn auch allmähliche, so doch rasche Ausstoßung der unter-worfenen Bevölkerung gebieten, nicht völlig ausgeführt worden sind. Aberwenn es nicht eine große Zahl von Israeliten gegeben hätte, welche inArmut und Knechtschaft den Acker bestellt haben, woher ' die zahlreichenVorschriften 3 ) über die Rechte der hebräischen Knechte? Zudem heißtes ausdrücklich, 4 ) »Jeremia blieb inmitten des Volkes der im Lande Übrig-gebliebenen.« Die Zurückgebliebenen waren also Stammes- und Glaubens-genossen sowohl der fortgeführten Reichen als auch des Jeremia, sonstwürde weder Jeremia in ihrer Mitte zurückgeblieben sein noch auch würdees Nehemia in solchem Maße bekümmert haben, als er 5 ) von Männern, dieaus Juda zu ihm kamen, auf seine Frage »'nach den Juden, den Geretteten,die die Gefangenschaft überlebt hatten«, die Antwort erhielt: »Die Übrig-gebliebenen, die die Gefangenschaft dort in der Provinz überlebt haben,sind in großer Not und Schmach.« Außerdem steht der SombartschenThese die Stelle entgegen, wo es im Jakobssegen vom Stamme Issacharinsbesondere heißt 6 ): »er beugt seinen Nacken zum Lasttragen und wirdzum dienstbaren Fröner«. Der Stamm Sebulon ferner tritt uns wiederholt 7 )als Seefahrer entgegen. Von ihm heißt es, daß er, zusammen mit demStamme Issachar, »den Überfluß des Meeres eingesaugt habe und die ver-borgensten Schätze des Sandes«. Ist Sombart etwa der Meinung, daß dasRudern der Meeresschiffe und das Aufsuchen von Purpurschnecken unddas Graben nach Sand für die Glasbereitung ohne schwere körperliche Arbeitvor sich gegangen sei? Außerdem nennt Sombart selbst 8 ) unter den Or-

') Richter I i, 21; I. Könige 9, 2off.

2 ) Exodus 23, 28fr.; Numeri 33, 55.

3 ) Exodus 21 u. a. a. O. 4 ) Jeremia 40, 6.

s ) Nehemia I 13. 6 ) Genesis 49, n.

7 ) Genesis 49, 13. Deuteronomium 33, 18.

8 ) Sombart a. a. O. S. 363.

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