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Die Anfänge des modernen Kapitalismus : Festrede gehalten in der öffentlichen Sitzung der K. Akademie der Wissenschaften am 15. März 1913
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richten Genesis 49, 13 ff. und Deuteronomium 33, 18 ff., daß die StämmeSebulon und Issachar durch Handel reich geworden, wobei freilich nichtfeststeht, daß dieser Gewinn aus eigenen Handelsgeschäften geflossen sei;wahrscheinlich wurden sie reich durch den Gewinn, den sie aus dem Heran-strömen von fremden Kaufleuten gelegentlich der Opfer auf ihrem Berg-heiligtum zogen. Dagegen aber steht von Salomo fest, daß er Handel ge-trieben hat; und daß die Israeliten seinem Beispiel folgend, sich am Handelbeteiligt haben, zeigt, daß sie noch Jahrhunderte nach dem Verfall vonSalomos Macht in den von Salomo in dem entfernten Gebiete von Chamaterrichteten Kaufhallen Handel getrieben haben. 1 ) Auch weist der Friedens-schluß zwischen Benhadad von Damaskus und Achab , König von Israel, imJahre 857 v. Chr., in welchem jener diesem die Errichtung von Kaufhallenin Damaskus gestattet, wie sein Vater solche in Samaria errichtet hatte, 2 )darauf hin, daß es schon ein Jahrhundert vor der assyrischen Gefangenschaftnicht nur auf israelitischem Gebiete Bazare gegeben hat, in denen fremdeKaufleute ihre Waren ausboten, sondern umgekehrt auch israelitische Bazareim Ausland, die von israelitischen Kaufleuten besucht worden sind. Fernerschreibt schon im Jahre 760 v. Chr., also weit früher als die Abfassung desDeuteronomiums, Arnos 3 ) der älteste Prophet, gegen das Betrügen der Korn-händler mit Maß und Gewicht und gegen ihre Bewucherung der Geringenund Dürftigen, und zehn Jahre später heißt es bei Hosea 4 ) von Ephraim (d. h. Israel): »In seiner Hand ist falsche Wage: er liebt es zu über vorteilen.Aber Ephraim sagt: Ich bin doch reich geworden, habe mir Vermögen er-worben«. Genau wie bei allen Völkern, von denen wir Kunde haben, wiebei den Phönikern, über deren Spitzbübereien Homer so viele Scheltwortehat, und bei den Griechen, von denen Demosthenes gesagt hat: »ein betrieb-samer und dabei ehrlicher Kaufmann gehört zu den Wundererscheinungen«und deren graeca fide mercari noch zur Zeit des Plautus in Rom sprücli-wörtlich war, waren also die ersten jüdischen Kaufleute im Handel demBetrüge ergeben. 3 ) Aus solchem Handel dürfte auch in Judäa der Reichtum

wesenden Manne nicht einen Bauern gemacht, der seinen Pachtzins an einen ent-fernt wohnenden Villicus abführt und bei dieser Gelegenheit ein Paar Ochsen einkaufenwill (!!). Vgl. über die Stelle Movers a. a. O. S. 202, Anmerkung 12.

') Vgl. Jesaia 11, 11. 2 ) I. Könige 20, 34.

3 ) Amos 8, 47. 4 ) Hosea 12, 8.

3 ) Sombart a. a. O. S. 152 ff. sieht im Betrügen beim Handel einen spezifischjüdischen Zug, verschweigt aber, daß das gleiche von Phönikern und Griechen,

überhaupt von allen Kaufleuten der Völker, die eben erst in den Handel eintreten,berichtet wird. Vgl. auch über die Japaner Wilhelm Joest, Aus Japan nach Deutsch-land durch Sibirien . 2. A. Köln 1887, S. 222.