dem »Gesetz« der Acker jedes siebte Jahr ruhen sollte, mußte notwendigauf andere Weise für die Ernährung des Volkes während desselben ge-sorgt sein. Das Mittel zur Beschaffung der benötigten Lebensmittel gabder Austausch anderer palästinischer Produkte gegen dieselben. 1 )
In gleicher Weise wie das babylonische Exil wirkten die gewaltsamenWegführungen der Juden in andere Länder, welche nach ihrer Rückkehraus Babylon stattgefunden haben. Hinter den Heeren der Seleukiden undPtolomäer marschierten Kaufleute, um die Juden, die zu Gefangenen ge-macht worden, als Sklaven zu fesseln und alsdann auf den verschiedenenMärkten der Welt zu verkaufen. 2 ) In allen Ländern bildeten die Juden eingroßes Kontingent der Sklaven.*) Daß von 'den in der Diaspora angesiedeltenfreien Juden eine sehr große Zahl in der Landwirtschaft tätig war, habe ichschon erwähnt. Andere waren im Gewerbe tätig; einzelne Gewerbe scheinen,wo die Juden sich niedergelassen hatten, fast völlig in der Hand der Judengewesen zu sein, so die Glasfabrikation, die Färberei und das Textilge-werbe. 4 ) Auch unter den Soldaten finden wir zahlreiche Juden;*) fernerals Rheder und als Seeräuber, 6 ) welcher Beruf ja nicht als unehrenhaft er-achtet wurde, endlich als Geldverleiher und in den schon genannten Finanz-beamtenstellen.
Die Juden liebten, wo sie sich niedergelassen hatten, zusammenzuwohnen.So schon früh in Damaskus . 7 ) Sie verlangten danach als nach einer Gunst. 8 )Wo sie zahlreich waren, hatten sie einen eigenen Markt. 9 ) In diesem ihremStadtteil schlichteten sie ihre bürgerlichen Angelegenheiten untereinandervor jüdischen Richtern. 10 ) Der jüdische Ghetto war also ursprünglich einPrivileg, gleich den Kolonien der Phöniker und Griechen in Ägypten undden späteren mittelalterlichen Kolonien der Italiener im griechischen und inden mohammedanischen Reichen.
Aber wenn auch noch so privilegiert, ja selbst, wenn, wie in Ägypten ,mit dem Bürgerrecht ausgestattet, 11 ) die Juden fühlten sich und blieben stetsgegenüber den Völkern, unter denen sie sich in der Diaspora niedergelassenhatten, Fremde. Und dem Fremden gegenüber galt für sie als leitendesPrinzip das Streben nach dem größtmöglichsten Gewinn. Auch die Juden
: ) Siehe Wellhausen, Israelitische und jüdische Geschichte, 4. Aufl. Berlin
1901, S.203, Anmerkung.
2 ) Jean Just er a. a. O. II, 17. 3 ) Ebenda S. 313 ff-
4 ) Ebenda S. 305—308, 313. 5 ) Ebenda S. 312. 6 ) Ebenda S. 202.
7 ) I. Könige 20, 34.
8 ) Jean Juster a. a. O. II, 177 —178. 9 ) Ebenda I, 361—362.
10 ) Ebenda II, 93 ff. ”) Ebenda II, 1 ff