Druckschrift 
Der Abschluss der deutschen Münzreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27

erfuhr der Vorrath au Silbergeld bei jeder ümprägung dadurcheiue Vermehrung, dafs die Reichssilbermünzen, die von vornhereinals unterwertige Scheidemünzen gedacht waren, einen um 10 %geringeren Feingehalt haben als die zur Zeit des Beginnes der

ODO O

Münzreform noch vollwerthigen Thaler. Da ans 90 Millionen Markin Thalerstücken 100 Millionen Mark in Reichssilbermünzen ge-prägt werden können und stets nur so viel Thaler eingezogenwurden, wie zu der beabsichtigten Neuprägung von Reichssilber-münzen nothwendig waren, erfuhr das gesammte deutsche Silber-geld bei jeder solchen Neuprägung eine kleine Vermehrung. DiesesVerfahren steht nun freilich in Widerspruch mit einer durchausklaren Vorschrift des Müuzgesetzes, das im zweiten Absatz desArtikels IV bestimmt, dafs bei jeder Ausgabe von Reichssilber-münzen ein dem Neunwerth nach gleicher Betrag von Landes-silbermünzen einzuziehen ist. Bei Befolgung dieser Bestimmunghätte auch nach der Einstellung der Silberverkäufe das deutscheSilbergeld nie eine Vermehrung erfahren können, bis zur Beseitigungdes letzten Thalers . Aber diese Vorschrift blieb unbeachtet, undso hat der deutsche Silbergeldvorrath, trotz des Verkaufs anAegypten und der Abschiebung au Oesterreich , seit 1879 nichtnur keine Verminderung, sondern sogar eine kleine Vermehrungerfahren. Nur der Thalerbestand ist erheblich vermindert wor-den, und zwar im Ganzen von 450 auf etwas unter 360 Mill. Mk.

Gleichzeitig mit der Bevölkerungsvermehrung, welche derReichsregirung diese Umprägungeu innerhalb der gesetzlichen Kopf-quote von 10 Mark gestattete, ist das ßedürfhifs des Verkehrs anSilbergeld erheblich gewachsen. Der Verkehr deckte diesen Bedarfaus eleu Bestäudeu der Reichsbauk, deren Silbervorrath sich von350 Millionen Mark im Durchschnitt des Jahres 1881 auf 268Millionen Mark im Durchschnitt des Jahres 1898 vermindert hat.Dadurch ist die Reichsbank erheblich entlastet worden.

Vor Allem aber wurde ihre Situation verbessert dadurch, dal'sihr Goldvorrath nicht nur entsprechend der Abnahme ihres Silber-bestandes, sondern in Folge der günstigen ZahlungsbilanzDeutschlands , in Folge der gesteigerten Goldproduktion und desWachsthums aller wirthschaftlichen Verhältnisse weit über diesesMals hinaus eine Zunahme erfuhr. Im Durchschnitt des Jahres1895 erreichte der Goldvorrath der Reichsbank die Höhe von 705Millionen Mark, zeitweise stand er nahe an 800 Millionen Mark.