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erfahren wir; dass Herr Sasonoff Serbien geraten hat, dieenglische Vermittlung zu erbitten. In dem Ministerrat vom 25.,der in Gegenwart des Kaisers stattfand, ist die Mobilisationvon 13 Armeekorps, die eventuell gegen Oesterreich operierensollen, ins Auge gefasst worden ; diese Mobilisation soll jedocherst effektiv Averden, wenn Oesterreich Serbien mit denWaffen Gewalt antut, und nur nach dem Gutachten desMinisters des Aeussern, dem die Festsetzung des Datumsobliegen soll, wobei er die Freiheit hat, die Verhandlungenselbst im Falle der Okkupation Belgrads fortzusetzen.)
Dass diese Mässigung nicht ganz echt war, geht schondaraus hervor, dass Herr Sasonoff bereits am 24. Jnli demenglischen Botschafter erklärte (Blaubuch No. 6) : that Kassianmobilisation would at any rate have to be carried out (dassdie russische Mobilisation unter allen Umständen durchgeführtwerden müsse), woraus sich ergibt, dass die russische Mobili-sation am 24. Juli, am Tage der Bekanntgabe der österreichisch-ungarischen Note an Serbien , bereits im Gange war. währenddie französische Zirkularnote vom 26. Juli (Gelbbuch No. 50),die Teilmobilisation gegen Oesterreich vom russischen Minister-rat erst am 25. „ins Auge fassen" und deren Inkraftsetzungnoch von österreichischer AVaöengewalt gegen Serbien unddem Gutachten des Ministers des Aeusseren abhängig machenlässt. Immerhin ist es wichtig, dass die russische und diefranzösische Begierung damals noch die äusserste Mässigungwenigstens markieren wollten.
Der Grund ist offensichtlich, dass die russische Re-gierung damals der englischen und sogar der franzö-sischen Mitwirkung noch nicht sicher war. Bei derUnterhaltung, die Sasonoff auf seinen Wunsch am 24. Juli imHause des französischen Botschafters mit diesem und SirG. Buchanan hatte (Blaubuch No. 6), verlangte Sasonoff, Eng-land solle sich mit Russland und Frankreich solidarisch er-klären, worauf Buchanan sehr klug antwortete:
"I could not, of course, speak in the name of His Ma-jesty's Government, but personally I saw no reason to expectany declaration of solidarity from His Majesty's Governmentthat would entail an unconditional engagement on their partto support Russia and France by arms. Direct British in-terest in Servia were nil, and a war on behalf ofthat country would never be sanctioned by Britishpublic opinion." (Ich könne natürlich nicht im Namenmeiner Regierung sprechen; aber persönlich sehe ich keinenGrund, von meiner Regierung irgendeine Solidaritätserklärungzu erwarten, die eine unbedingte Verpflichtung zur Waftenhilfefür Russland und Frankreich enthalte. Die direkten briti-schen Interessen in Serbien seien gleich Null und einKrieg wegen dieses Landes werde niemals durch dieenglische öffentliche Meinung sanktioniert werden.)
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