Druckschrift 
Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

gegenübergestellt worden wäre. Für oder gegen die Resolution! Bethmannmußte falben, wenn er mtt haWen Herzens hinter ihr stand. Kein Angriffkonnte heftig genug, keine Waffe scharf genug ,sein, den hier auch als Zeugediplomarisch redenden Bechmann-Hollweg zu treffen.

Nicht Taten und Worte der Vergangenheit sind Erzberger so ungünstigaMorden wie seine- falsch eingestellte Selbstverteidigung, die allerdingsschon mit der Herausgabe der Artikel in der Deutschen AllgemeinenZeitung beginnt und bei deren Abfassung er entweder schlecht beraten wurde,oder sich nicht raten ließ. Mit den Männern der Rechten^ der extremen,gab es für ihn kein Paktiere», keinen Kompromiß, -nur Grundsatz gegenGrundsatz und Hieb aus Hieb.

Das war auch die Taktik, die Dr. FrieMnder, Erzbergers zweiterRechtsbeistand, zur Anwendung zu bringen suchte. Nicht mit Unrecht be-zeichnete ihn dieTägliche Rundschau" als den «beweglichen, hellstimmigenRufer im Streit. Diese scharfe und schneidige Art wurde dem Wesen diesesProzesses mehr gerecht als vorsichtiges Fahren in alten, wenn auch noch sobewährten prozessualen Geleisen. Schade, daß sie sich nicht durchsetzen konnte,der Prozeß hätte, wenn auch keinen qnderen Ausgang, so doch ein anderesGesicht bekommen.

In der wahllos bunten Schar der Zsugen weisen zwei Gruppen einegewisse Einheitlichkeit ans: die höheren Beamten und die Militärs. DieEinheitlichkeit besteht in der ausgesprochenen Feindschaft gegen Erzberger.Genug ist in den Plaidoyers über die erste der beiden Gruppen gesprochenworden; aber der Eindruck, den die zweite auf den Zuhörer machte, war nochübler. Statt der Aktenmappen der Beamten dienten den vor Gericht er-schienenen Offizieren Auszüge aus Leitartikeln reaktionärer Revolverblätter«G Waffe gegen Erzberger, die sie im Tone der bekannten KriegervereinG-reden in den Gerichtssaal hinaus schleuderten. Man hat stets gewußt, daßdie Erzbergerhetze ihre übelsten Blüten am Kasinotisch trieb, aber was einOberstleutnant Düsterberg, ein Hauptmann Stephan! und jener KasselerOberst hier vorbrachten, war das von plus ulira von Klatsch und Gehässig-keit. Schon einmal wurde gesagt: Es ist die Tragi! einer jeder politischenUebergangsepoche, mit den Organen der alten Staatsform wirtschaften zumüssen. Eine erfreuliche Ausnahme: General von Oven, der in durchaussachlicher, ja freundlicher Weise über Erzbergers Tätigkeit sprach. Be-zeichnenderweise war er einer der wenigen, die überhaupt den ehemaligenAbgeordneten persönlich gekannt; die übrigen schöpften ihre Kenntnisse ausAkten und Leibblättern.

Es ist eine Tatsache, die festgestellt werden muß. daß fast alle jene, dieErzberger aus langer persönlicher Berührung kannten, sich durchweg zuseinen Gunsten aussprachen, mochten es nun Parteigenossen sein, Glaubens-brüder oder Landsleute. Für den, der die Stimmungen und Strö-mungen in der Zentrumspartei und im katholischen Volksteil kennt, ist esdurchaus nicht selbswerständlich, daß jeder Zentrumsmann und Katholik einAnhänger Erzbergerscher Politik ist. Diejenigen Partei- und Glaubens-genossen aber, die in langjährigen fteundschastlichen Beziehungen zu ihmgestanden, stehen jedenfalls ein für Erzbergers persönliche Integrität undfür die Lauterkeit seiner Motive. Der einzige Zeuge aus diesem Lager, der