Dingen, die die Tagespresse mit Schärfe gegeißelt hat. Vieles, ohn« v«nVorsitzenden gerügt zu werden, vieles aber trotz dessen Ermahnungen.
Schon oben wurde Helfferich als einer der intelligentesten Köpfe deSalten Regimes bezeichnet. Der Einsicht schlte nicht die Umficht und Weit-sicht, aber die Tatkraft. Daher die politische Unfruchtbarkeit^ die der invielen Sätteln gerechte in jedem seiner Aemter zurückgelassen. Helfferichsah bereits im Juli 1914 den nahen Weltkrieg voraus und riet dennoch zumVorgehen gegen Serbien . An Hand des Zahlenmaterials erkannte er die.Aussichtslosigkeit des Unterseebootkrieges und ward trotzdem sein begeistert-ster Verfechter. Das Elend unserer Kriegs- und Finanzwirtschaft mit allihren unheilvollen Folgen blieb ihm nicht verborgen; aber anstatt dieSanierungsvorschläge, die er -eingebracht, durchzudrücken, ließ er sie fallenals Widerstand sich regte. Große Hoffnungen setzten weite Kreise desdeutschen Volkes auf ihn, als er nach dem Friedensschluß mit -Sowjet-Ruß»land als Gesandter nach Moskau geschickt wurde, um unser« Beziehungenzum neuen Staate auszubauen und fruchtbringend zu gestalten. Von frucht-bringender Gestaltung haben wir nichts gesehen, wohl aber das Ausrückendes kaum angekommenen Botschafters aus Moskau erlebt, als der Bodendort ihm zu heiß wurde. Mag der ^ehemalige Staatssekretär und Vize-kanzler noch so glänzende Eigenschaften aufweisen, ihm fehlt der politischeMut, die Courage, aus die Ausführung dessen, was er als richtig erkannthat, zu „insistieren", selbst unter Zurückstellung persönlicher Vorteile. Derunseligen Hofpolitik, der unvermeidlichen Begleiterscheinung jedenmonarchischen Regiments, brachte er seine politische Ueberzeugung überKrieg und Unterseebooterfolg zum Opfer,- den kapitalistischen Interessen, .die sich mit scharfer Erfassung der Steuern und Kriegsgewinne nicht ver-trugen, paßte er sich an. Die so wichtige Moskauer Aufgabe ließ er fahrenaus Gründen persönlicher Sicherheit. — Ohne politischen Mut keine po-litische Fruchtbarkeit. Wem es aber nie gelang, politische Idee in PolitischeTat umzumünzen, ist eben kein Politiker. 11)
Nach Helfferich Pflegte Erzberger zu lsprecheu. Trotz seines gewiß auchungestümen! Natmells meist ruhig und sachlich. Ist es auf die vorher-gegangene, ununterbrochene, aufregende Arbeit als Minister zurückzuführenoder darauf daß dem Parlamentarier der forensische Boden ungewohntwar, oder weil in diesem GerichtsfaÄ von vornherein seinen Worten dieResonanz fehlte, deren der Volksmann bedarf, um sich und sein Innersteszu geben? — Vielleicht von allem etwas. — Jedenfalls war MinisterErzberger nicht auf der Höhe. Der Gummiball, von dem Theodor Wolfsgesprochen, wollte nicht springen. Nur allzuoft nahm er unwillkürlich beiseiner Verteidigung den Grundsatz an, den der Gegner sxplioits oder im,plioits aufgestellt hatte. Nur zu häufig trat er auf die Plattform, die jenersich künstlich errichtet. Prinzip gegen Prinzip zu fetzen, wäre oft besser ge-wesen und deutlich die Kluft gähnen zu lassen, die schon zwischen ihren Aus-gangspunkten klaffte. DasZ'usmnment r e f f e n mit Bethmmm-Hollweg wärezum historischen Moment geworden, wenn es ein Zusammenstoßen gewor-den wäre. Wenn dem faulen Burgfrieden, dessen Risse es zu kleistern galt,die Idee des Völkerfriedens, die Rettung des verblutenden und ver-hungernden Volkes, was doch der Zweck der Julircholution war, mit Schärfe
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