Bezirke organisiert wurde, erklärte: wir wollen 400 000 t der Industriebereitstellen. Die verschiedenen Industriellen erklärten: ach, wir legen nichtso großen Wert darauf, wir haben genug, wir können unter Umständen nochabgeben. Und darauf soll nun nach dem Zeugnis der verschiedenen Herren,die hier vernommen sind, Herr v. Gemmingeir, der an der Spitze der Bei ^ivaltung stand, gesagt haben: von den 400 000 t können Sie — Thyssendann die Hälfte haben. ^ »
M. H., es ist das dann später von anderer Seite in Zweifiel gezogen.Aber es kommt darauf nicht on. Denn eins steht doch über jeden Ztveiseljfest, das nämlich sowohl der alte Thyssen wie Rabes wie Fritz Chyssen derfesten Ueberzeugung waren> das dieses Versprechen gegeben worden sei, daßsie es akzeptierten und Erzberger berichteten, als sie ihn baten, hier mtiteinzuspringen. Da ist dann Erzberger mit dem betreffenden Herrn undauch mit Herren aus dem Ministerium nach Metz gereist und hat den Wunschdes Thyssenkonzerns seinerseits in einer Konferenz vertreten. Er ist nichtdamit durchgekommen, aber man hat sich auf den Mittelweg geeinigt: manhat einen etwas besseren Verteilungsschlüssel sür Thyssen bewilligt. Undda kam noch ein Zweites, was ich hier gleich mit erwähnen werde: es wareine Beschwerde des Thyssenkonzerns, daß, während die meisten anderengroßen Gruppen und Werke in der provisorischen Verwaltung vertretenwaren, gerade natürlich der Thyssenkonzern nichr vertreten tvar. Auch darinhat Erzberger versucht, eine Aenderung zu scha/ifen. Es ist ihm das nichtvoll gelungen, aber doch einigermaßen, indem zwar der Thyssenkonzern nichtdirekt mit in die Verwaltung hineinkam, aber doch bei wichtigeren Fragenzugezogen wurde. Und nun frage ich Sie in aller Welt: ist ein solches Ein-treten für das gute Recht, wenigstens das, ivas als das gute Recht erscheint,seitens eines Aufsichtsrats, der zugleich Parlamentarier ist, nicht durchauszulässig? Ich muß gestchen, ich habe kein Verständnis dafür, daß man sagenkann: er handelt hier gegen das Gemeimvohl, wenn er ein anscheinend vor-handenes Recht, das nun nach guten Gründen von soundsoviel glaubwürdigenLeuten versichert wird, vertritt. Und außerdem: der Thyssenkonzern pro-duziert em Zehntel allen Stahls, den wir in Deutschland erzeugen. Da kames doch wohl sehr darauf an, daß dieser Thyssenkonzern auch proouktionssähigblieb. Es geht das Interesse des Thyssenkonzerns hier parallel mit demallgemeinen Interesse, zum mindesten erschien es so, und deshalb war dasEintreten Erzbcrgers filr diese Forderung des Thyssenkonzern absoluttipp-topp.
Ueberweisung einer Erzgrube des Brieygebiets.
Zweite Aktion. Der alte Thyssen ivar tief bekümmert, als er gleich imAugust 1914 oder im September,, glaube ich," schon erfuhr, daß die Fran-zosen seine Riesengruben und Werke und Beteiligungen ihm tatsächlich ent-zogen hatten, und zwar für die Dauer, durch eine Reihe ganz eigentümlicher,komplizierter Verträge. Da wünschte der alte Thyssen, daß, nachdem wirnun das Brieygebiet erobert hatten, ihm alsbald eine Entschädigung gegebenwerden möchte, indem ihm eine Grube „Droitaumont" eigentümlichzugewiesen würde. Das dachte sich der alte Thyssen. Er ist ein Mann derTat, kein Jurist. Der natürliche Menschenverstand würde das auf den
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