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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
Seite
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«r ist eben km GeptemLer ?S14' noch gar nicht Aufsichtsoat geKesen! Er isterst im Juni 1915, also dreiviertel Jahr später, eingetreten.

Meine Herren, an dieser Stelle habe ich eine Zeitlang den" Gedankengehabt, ob hier in diesem Festhalten sogar Verstärken des Vo-rwurfs in derTat eine Behauptung Wider besseres Wissen gelegen hat. Ich habe dasschon in meinem Strasantrag angedeutet. Ich halte heute den Vorwnrs indieser Richtung nicht aufrecht, und zwar deshalb nicht, weil ich hier ge-sehen habe, mit welcher, ich kann nnr sagen: Benommenheit der HerrAngeklvgte alles ansieht, was seinen Feind Erzberger betrifft. Ich ver-derbe es aber dem Herrn Angeklagten, daß er diesen ganzen Passus in der-selben Weise wieder in seine Broschüre, die erst Ansang August erschien, un-verändert aufgenommen hat» Inzwischen hätte er sich doch Wohl etwaserkundigen sollen nach der Zeit, in der Herr Erzberger Aufsichtsrat war;dann würde er rundweg haben erklären müssen: ich habe mich in diesemPunkte geirrt) im übrigen bleibt es bei dem, was ich gesagt habe. DieseEnergie, diesen Entschluß hat der Herr Angeklagte totsächlich leider nichtgefunden.

Wie liegt es nnn in Wirklichkeit mit der inneren Entwicklung und derEntwicklung der Meinungsverschiedenheit Zwischen Herrn Erz-berger nnsThyssen, die schließlich znm Anstreten Erzbergers führte? Der alteThyssen hat sich in dieser Beziehung geäußert, eidlich als Zeuge, und es iststatt aller Reden am besten, ich verlese diese Stelle seiner Anssage K'nter VIII:Zunächst beim Beginn des Krieges war Herr Erzberger mitmir jedenfalls der Ansicht, daß eine Annexion von LongNH Brieyzu erstreben sei. Später ist er wohl von dieser Ansicht abgekommen.Wann das gewesen ist, kann ich nicht sagen.Nun kommt die Sache:

Jedenfalls war bei Beginn des verschärften U-Boot-Krieges erbezüglich des Kriegsausganges bereits so Pessimist, daß von dieserFrage Wohl kein Gedanke mehr bei ihni war. Ich glaicke, mich zuentsinnen, daß von den Herren der Regierung, nne dem Unter-staatssekretär Richter nnd auch übereinstimmend mit ihnen von Erz-berger mehrfach davon gesprochen wurde, daß wir unseren» Bedarfan Minette anstatt durch Annexion durch schriftliche Verträge mitden Franzosen sicherstellen können.Der Konzern Thyssen das füge ich hinzu stand diesem Plan, alsovon der Annexion Abstand zu nehmen, durchaus ablehnend gegenüber.

Es kann sein, daß Erzberger mit mir mehrfach in diesem Sinnegesprochen hat und hat auch vielleicht von der Möglichkeit eines Aus-tausches von Gebietsteilen durch Grcntzregulierung gesprochen. Dochkann ich dieses nicht mehr bestimmt sagen.Mit anderen Worten, es stimmt das durchaus überein, was auch Herr Erz-berger sägte und >vas von verschiedenen Seiten bestätig! worden ist, daßnämlich Erzberger bei Beginn des U-Bvot-Krieges, den er bekanntlichverurteilte, daß er bei diesem Beginn, wo er sah, dvß Amerika aus uns zukam, keine großen Hofsnungen mehr ans den Sieg hatte und an Annexionennicht mehr dachte. Ich will das einmal vorweggreifen. Auch die Darstellung des

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