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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
Seite
28
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Lei einem Prokuristen bestimmen Vkirde, einen solchen Mann nicht einenTag mehr in meinem Geschäft zu behalten. Ich würde ihm niemals auchnur den geringsten Vertrauensauftrag in die Hand geben, ihm auch nichtden vllerleisesten Vertrauensauftrag mehr zu erteilen. Aus diesem Zusatzgeht mit aller Entschiedenheit hervor, daß Erzberger hier nicht etwa nurein formeller Verstoß gegen Wohlanständigkeit zur Last gelegt wird, sondernRechtsbeugung.

Bei der Erörterung dieses Falles ist Mm etwas cmdercs zu'ivge ge-treten, von dem ich ozsfen ausspreche> daß es auch mich gestört hat. Bergerhatte Herrn Erzberger zum Schiedsrichter zwischen dem Kanalamt beimKaiser-Wilhelmt-Konal und der Firma Berger, also seiner Firma, zumSchiedsrichter benannt, und während nun dieses schiedsgerichtliche Ver-fahren schwebte, ist eines Tages Herr Berger gesprächsweise au Erzbergerherangetreten und hat gesagt: hören Sie mal, ich möchte gern mit demThyssen-Konzcrn in gewisse Beziehungen kommen, Sie sind darin, würden«Sie nicht eventuell in unseren Aufsichtsrat eintreten? Erzberger antwortete:Ja Gott , das muß ich mir überlegen, ich mutz aber vor allen Dingen /erstnoch mit Herrn Thyssen sprechen. Das geschieht denn auch. Thyssen ist ein-verstanden und Erzberger macht gelegentlich Berger hiervon Mitteilung.Dann blieb die Sache auf sich beruhen. Erst nach Erledigung aller Schieds-sprüche etwa l^/s Jahr nach jener Unterredung trat Bergerdann wieder an Erzberger heran. Nun mache ich keinenAugenblick ein Hehl daraus, daß dieses Angebot Bergers,während der schiedsrichterlichen Tätigkeit in den Aufsichtsrat ein-zutreten, eine Ungehörigkeit und Taktlosigkeit war. Berger ist hier danachgefragt worden,.wie er dazu käme. Er hat auseinandergesetzt, welcheGründe ihn bestimmten, Herrn Erzberger in den Aufsichtsrat zu wählen.Es waren eben die Gründe;, daß er mit Thyssen in Verbindung kommenwollte und daß er auch von Erzberger in seinen ausländischen Unter-nehmungen. infolge der Propagandatätigkeit war ja Erzberger da sehrgut unterrichtet einen gewissen Vorteil erhoffte. Außerdem schätzte erihn vor allen Dingen als einen besonders tüchtigen Menschen. Das warauch der Grund, weshalb er auf Vorschlag des Rechtsanwalts Bodläuderihn zum Schiedsrichter bestellt hatte. Berger ist gefragt worden, was er sichdabei gedacht hat. Er hotte vorher jene Gründe angegeben und sagte:Gott, gedacht habe ich dabei eigentlich gar nichts. Darauf Gelächter imPublikum und der Herr Angeklagte geistesgegenwärtig sagt: Ich dankeIhnen, mehr, habe ich nicht gewollt. Es ist klar, daß daT Wort jim Zu«-sammenhang ausgefaßt werden muß. Berger hat in der Tat das hat erunter seinem Eid erklärt nicht entfernt daran gedacht, auf die schieds-richterliche Tätigkeit einwiriken zu wollen, aber es war eine Taktlosigkeit,und wenn ich Erzberger gewesen wäre, hätte ich gesagt:Mein deqchvterFreund, solange ich Schiedsrichter bin, wird mir keinem Worte über solcheMöglichkeiten geredet. Ich betrachte dieses Wort als nicht gesprochen/'Erzberger hat in seiner liebenswürdigen, jedem entgegenkommenden Weisenicht gleich diese offene Tonart gefunden und hat eine ausweichende Ant-wort gegeben. Er hat mich später Thyssen gefragt, mit anderen Worten, esP ihm der Gedanke einer Ungehörigkeit nicht gekommen.