contra: Erzberger verfügt über eine starke — ich bitte nun nicht zulachen — Phantasie. Das ist eine Gottesgabe, die ans der einen Seile,denr Gedächtnis leicht einen Streich spielt und aus der anderen Seite,namentlich in der Politik, uneiÄbehMch ist. Der Politiker kann sich nichtans das beschränken, was sich exakt beweisen läßt, sondern seine Phantasiemuß über den Horizont hinausgehen. Die große Bedeutung der Phantasieist am besten an der Haltung zum Il-Bott-Krieg zu werten, sowie bei demEintreten Amerikas in den Krieg. Mit der größten Gewissenhaftigkeithatten der Admiralstab, unsere Heeresleitung, der Reichskanzler vonUethnrann-Hollweg, der Staatssekretär Dr. Helfferich und seine Freundedie Berechnuirgen ansge.stelll und geprüft, und man war zum Er-gebnis gelangt, daß wir damit siegreich durchkommen würden. Dieexaktesten Berechnungen haben unsere Militärs zu der Meinu'ng gebracht,die Gewißheit zu besitzen, daß das große Amerika zu spät kommen wiiroe.Sie waren auch gerade auf Grund ihrer militärischen Sachkunde über-zeugt, daß Amerika wohl ein Dollarland, aber nicht ein Militärland sei.Erzberger dagegen hatte Knast seiner Phantasie eine lebendige Bor-stellung von der Große des Weltmeeres, das sich durch eine noch so großeZahl von U-Booten nicht bewachen läßt. Seinem Geiste stand die un-erschövflichr elementare Kraft des gewaltigen Riesen vor Augen, der sich,groß wie seine Cordillieren, zävischcir denr Stillen und dem AtlantischenOzean zu recken begann. Er wußte, daß, wenn auch' kein Schiff über denAtlantischen Ozean hätte kommen 'können, ja noch der Weg über denMillen Ozean und über Sibirien offenstand.
Mit der Phantasie hing auch der Optimismus zusammen, mit demErzberger die Dinge ansah. Aber es tvar nicht der träge Optimismus, dersagt: Allah wird es schon zum guten lenken, sondern der Optimismus,der nnmittclbar zur Tat führt. Auch da ist ein charakteristischer Gegen-satz: Herr Dr. Helfferich hat bei verschiedenen Gelegenheiten eine gewisseNeigung gezeigt, nicht sofort zur Tat vorzugehen, er schiebt die Ent-scheidungen eine Zeitlang auf und ersetzt- das Handeln, wenigstens eineZeitlang, durch Worte. Worte waren eZ, die er in der Schicksalsstundeder Friedcnsresotution anstelle positiver Zusagen bot. Es zeigt sich einegewisse Neigung zum Zandern. Erzberger hat schon im Prozeß daraushingewiesen, in welcher Weise Helfferich es ablehnte, gleich England hoheSteuern einzuführen. Er rief in den Reichstag: „Im Gegensatz zu Eng-land können wir Deutsche es vertragen, ärmer zu werden, wir bleibendoch, was wir sind. Ein verarmtes England aber heißt: finis Britanniae".An den goldenen Pfeilern seines Weltreiches leuchten in Flammenschrift,wie an Belsazars Palast, die Mnte: „msus tskel updarsiu!" DieseProphezeiung ist leider nicht eingetroffen' und die Rede, über die ich michals ein retorisches Meisterstück im Zirkus Busch gefreut und der ich selbstzugejubelt hätte, scheint mir bei einer Steuerdebatte im Reichstag nichtgerade den rechten Platz gesunden zu haben. Deshalb dürfen wir es auchErzberger nicht übelnehmen, wenn er, plötzlich vor die Aufgabe gestellt,20 Milliarden Steuern jährlich mehr zu schaffen, den über Helfferich alsFinanzminister vielerwähnten NuSdru6 tat, den ich auch im Waiboyer hiermcht p» wiederholen wünsche.
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