Noch ein anderer Fall: Der Gcfetzennvurf über die Ausfuhr-Vergütungen. Slva>tsfekrelär Tr. Helsferich ist der Ansicht, daßeine staatliche Regelun^g erfolgen müsse, er hat einen Entwurf vorbereitet,ein Ministerialdirektor wird zu einigen Abgeordneten, darunter auch Erz-berger, hingeschickt. Tic Abgeordneten haben einige Bedenken, die z. T.der Ministerialdirektor teilt. Dem Enttmirf wird ein Begräbnis Z.Klassebereitet. Das kann ich Ihnen versichern, Erzverger als Staatssekretärhätte den Entwurf nicht zurückgezogen, wenn der Abgeordnete Dr.Helsscrich ihm in dieser Weise entgegengetreten wäre. Was har nichtalles der Nebenkläger zu Wege gebracht in einer kurzen Zeit! DenkenSie daran, daß Erzbcrger in wenigen Monaten, ja wenigen Wochen fürdie Einigung Deutschlands mehr getan hat, als jemals seit Bismarcksgroßen Tagen geschehen ist. Er hat dem deutschen Reiche das Portemonnaiein die Hand gedrückt, hat eine Steuerorganisation sür das Reich ge-schaffen! Während wir hier verhandelten und nach dem Attentat hat eres fertig gebracht, daß die gesamten Eisenbahnen und die Post auf dasReich nbergehen, Staatssekretär Dr. Helfferich hätte gern direkte Steuernauferlegt, aber, so sagt er, verschiedene Landesregierungen hätten dagegenprotestiert, weil direkte Steuern die Domäne der einzelnen Länder seien.Aber fragen Sie nur die jetzigen Landesminister, die Mitglieder im Bun-desrat bezw. Rcichsrat, ob nicht Widerstände aller Art zu überwindengewesen sind. Sie werden Ihnen alle sagen, daß Erzbcrger selbst dieseWiderstände in Wochen, oft in wenigen Stunden niederwerfe. Ergbergerist eine Art Eisbrecher. Solche Persönlichkeiten müssen wir haben,wobei ich es ganz dahingestellt sein lasse, ob seine Politik richtig oder falsch,gewesen ist; denn darüber werden die Menschen niemal? vollständig einigwerden.
Alles dies hat Herr Erzberger geleistet, während von allen Seiten Be-leidigungen, Bekämpfungen und sogar von einer-Seite Kugeln hagelien.Er ist seinen Weg geradeaus weiter gegangen. Manchmal fragt man sich,wenigstens ich habe mir die Frage vorgelegt, woher kommt der gewaltige,in weiten Teilen des deutschen Volkes sich vorfindende Haß gegen Erzberger.Man könnte vielleicht denken: „Volkes Stimme, Gottes Stimme". DerSatz ist richtig, aber nur in dem Sinne, daß „Volkes Summe" die Stimmed e s Gottes ist, den sich das Volk denkt.
Süddeutsche anttbürokratischc Art.. Welches sind denn aber die Quellen dieses Hasses? Der erste Grundist vielleicht seine für uns Norddeutsche allzusreie Art sich zu geben, seinevielleicht allzu schroffe Art, seine vielleicht allzu schroffe Abkehr vondem uns gewohnten Bürokratismus, Wie oft habe ich, namentlich betreffsder Schweiz klagen hören, daß die Angehörigen aller Staaten dortleicht zu ihren Vertretern kommen könnten, nur die Deutschen müßtenwarten und antichambrieren, ehe sie bei irgendeinem unserer ungezähltenFmrktionäre dort vorgelassen würden/ In dem Büro des Neichsfinanz-ministers wird jeder Mensch leicht empfangen. Es wird nicht die Distanzgehalten, die wir Norddeutsche nun einmal gewöhnt sind. Die bürokratischenGebräuche sind abgeschafft. Es wurde zwar viel über Bürokratismus gc°fchnnpf>t, aber er Halle auch manchmal seine guten Seilen, Die Abkehr
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