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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
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ist sicherlich nicht zulässig, deshalb hier K« verdammen- Dagegenwenden wir uns.

Die Frage, ov ein Abgeordneter nach seinem Eintritt ins Parla-ment Vertreter von Verbänden werben ldürse, wird in Her Praxisbejaht. Es ist hier auch mehrfach die Frage angeschnitten worden,ob ein Abgeordneter, der sich bei einer Behörde für ein Unternehmeneinsetze, an dem er interessiert fei, seine Beteiligung angeben müsse.Diese Frage ist, wie es Herr Freiherr von Richthofen als Zeuo.eschon angedentet hat, zweifelhaft. Denn es kann auf den Beamten erstrecht eigenartig wirken, wenn der Petent sagt: Ich bin Abgeordneter,außerdem an der Sache beteiligt. Dieser Hinweis könnte vielleichteher als Druck wirken, als wenn von Her Beteiligung nichts gesagtwird. Herr Freiherr von Richthofen hatte ja schon bei seiner Aussageerwähnt, baß viele Abgeordnete als Landwirte stark persönlich bei vielenDingen interessiert seien, beispielsweise bei Pferdsankänfen, bet Melio-rationen. Jedenfalls meine ich, es kann in dem Verschweigen der Be-teiligung höchstens eine Taktlosigkeit liegen, nnd man kann >da voneiner bedauerlichen, nicht aber von einer bösartigen Erscheinungsprechen. Znm Begriffe ber Korruption gehört doch das Schleichende,das Hinterhältige, nnd dieses ist in den wochenlangen Verhandlungenin keinem Falle bewiesen. Dies oder jenes wäre wohl besser unter-blieben, aber es hat die Ehre Erzbergcrs nicht berührt.

Der größte Teil der Erscheinungen, mit denen wir unS beschäftigthaben> ist im Kriege zutage getreten oder unmittelbar nach dem Kriege.Wenn dieser sonst makellose und geschätzte Mann in manche Geschäftehineingekommen ist, in die er sich besser nicht hätte mischen sollen, sokann ihm bas nicht zum Fallstrick gemacht werden, schon weil er siedoch im wesentlichen als Gefälligkeiten betrachtet und als gemeinnützigangesehen hat. Heute ist wohl alle Welt «darüber einig, daß es inDeutschland während des Krieges selten jemand gab, der nicht gegendie Gesetze gehandelt hätte >nnd -der, um mit Walleustein zu sprechen,kinderrein" geblieben wäre. Erzberger war der einzige Zentrirms-abgeordnete in Berlin , Äer überlcmfeivdste überhaupt. Es lag auchdarin eine Ursache, baß Erzberger nicht immer mit der Vorsicht arbeitenkonnte, die er sonst geübt hat. ^? »

Der Hapagfall liegt in der Mitte, denn diese Dinge spielen zumgrößten Teil in einer Zeit, als Erzberger Präsident der Wako war.

Erzberger hat amtliche Kenntnisse tatsächlich nicht ausgenutzt,b. h. er hat nicht Kenntnisse ausgemcht, die nur ihm zugänglichwaren und keinem anderen. Und damit fällt, nm das gleich zn er-ledigen, jsüo Verwandtschaft nnd jede Berührung mit dem sogenanntenMarconifall fort. Denn bort wär den englischen Ministern vorgeworfen«wvken, daß sie Kenntnisse, bie nur ihnen zugänglich waren, benutzthätten, um sich 'dmrch die zu erwartende Kurssteigerung im Wege derSpekulation Vermögcnsvorteile zn verschaffen. Die Sache liegt hieranders. Erzberger hat die ersten Aktien am 27. Januar gekauft, nach-dem am 13. Januar bereits das Abkommen mit Marschall Foch, dasWaffenstillstanbsabkommen, überall in ber Presse veröffentlicht war.Er hat also gar keine amtlichen Kenntnisse ausgenutzt.

JHm ist vorgeworfen worden: Vom rein politischen Stand-punkte auS soll ein Minister überhaupt keine Aktien haben, denn er

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