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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
Seite
53
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ErzbergerS im HausyaltsauSschuß hielt. Stresemann spricht da bewußtgegen seine Ueberzeugung unS erklärt das aus Hem politischen Be-streben, Beruhigung zu schaffen. Für jemand, Her die Wahrheit ehrtist N-es Vorgehen höchst bedenklich, mag Her Zweck auch gut seinWie will man nun das gewaltige Unterfangen verantworten, au,ödem Zusammenhang gerissene Beweisstücke znr Grundlage einerhistorischen Feststellung zu machen?

Ein Punkt, der geraide sür meinen Klienten von ganz be-sonderer Wichtigkeit erscheint, und der als u:!günstig dem Urteile deSStaatsanwalts zngrunÄe gelegt ist, blieb noch ungeklärt. Das ist SieUeberraschung des Reichskanzlers. Ich bin mir der Verantwortung be-wußt, wenn ich hier sie Aussage Hcs Kanzlers c-mer kritischen Würdi-gung unterziehe, aber nichts, auch nicht Her Respekt vor der AutoritätHes Mannes, her -die Geschicke unseres Vaterlandes Jahre hindurch ge-leitet hat, darf ein Hindernis für die Wahrheit bilden. Der HerrReichskanzler von Vcthmann-Hollwcg hat gesagt, Haß er von Erzbergeram v. Juli 1917 überrascht worden sei. Es ist nicht Sas erste Mal, daßHerr von Bethmann-Hollweg sich hat iibcrraschen las'seu. Ich erinnerenur an die Veröffentlichungen öes deutschen Votschaftors in London ,Fürsten Lichnowsk«, Hie zeigen, wie gut er den Kanzler auf die möglicheKriegserklärung vorbereitet hatte, und -doch ist der ,Fanzler" von ihrüberrascht worden.. Dieses Ueberraschungsgefühl ist also bei Herrn vonBethmann Hollweg schon häufiger in Me Erscheinung getreten, unH zwaröfter, als es bei einem Staatsmann vorkommen sollte. Nun hat manHerrn Erzberger als denjenigen hingestellt, Her als Her Ueberrascher Mgelten habe, und da möchte ich folgendes feststellen: Die Stimmung voröer entscheidenden Sitzung vom 6. Juli 1917 war Hoch zweifellos über-aus erregt und Zündstoff hatte« sich nach Hes Kanzlers eigenem Bekennt-nis genug aufgesmnmelt. Es war jedenfalls ein recht kritischer Zeit-punkt, um so mehr, als es sich Hoch auch um die Zuspitzung Her U-Voot-frage handelte. Hatte Henn Her Reichskanzler von Bet-Hmann-Hollwegalle diese Zeichen, die doch auf Sturm oder Aehnliches Heuteten, nichterkannt und Hurfteer endlich von HieserFriedensaktion ErzbergerS, diezwar in ihrer Pointe noch nicht feststehend, aber Hoch in der Luft lag,vollständig überrascht werden? Das allein ist hier die Frage- und dieserPunkt allein ist entscheid e>nd, um die so bedeutungsvolle Frage aufzu-klären. Sie kann wirklich und vollständig nur von unbeeinflußtenHistorikern gelöst werden. Alle Zeugnisse- öer damaligen Zeit müssen alsZeugnisse von Interessenten gelten, denn die Herren habe« sämtlichan Her Sache mitgewirkt. Anfzerdem fehlt das Zeugnis der HerrenOberst Bauer, von Bergen und vieler anderer.

Ich will noch einer Tatsache gedenken, die von der elementarsten Be-deutung für die vollständige Aufklärung ist und die für Herrn Erzbergereine bedeutsame Rolle spielt. Bei dem Komplex von Fragen war ganzwesentlich Hie Abreise Her Obersten Heereslcitnng von Berlin . Sie warvon ganz ansschlaggebenHer Bedeutung sür Hie Haltung des Herrn Erz-Verger. Nun vergleiche man nnr Sie Aussage des Herrn von Bethmann-Hollweg mit den vorliegenden Tatsachen. Herr von Vethmann-Hollweghat ans das bestimmteste in AbreHe. gestellt, daß er Hie Rücksprache HerAbgeordneten mit der Obersten Heeresleitnng verhinHert habe, er hatHas als Märchen bezeichnet. Aber er hat zugegeben, daß er nach Her An-kunft von HinHenbnrg und Lndendorff dem Kaiser erklärt habe, daß der

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