Reichsverwertungsamt unterstand gar nicht Erzverger, aber egal. Viel-leicht «rit einer Abteilung des Reichsfinanzministerium? — Im FalleKowatsch wird gefragt, ob Vollmachten existieren. Es wird allesenergisch bestritten, genau dargetan. Es nützt nichts, es wirb immerweitergebohrt. Der Fall Wolfs . Er ist besonders typisch!. Erzbergerwird gefragt, ob er nicht Propagandareisen zu Privatgeschäften aus-genutzt habe? — Nein! — Gemeinsame Geschäfte mit Richthofew?Nein! — Nicht Tips für Valuta-Spekulationen in der Schweiz ge-geben, wovon Sie Vorteile gehabt haben? ^ Nein, Wir haben hier beidem ungeheuren Wust von beleidigenden Tatsachen gar nicht so dieEmpfindung dafür gehabt,' aber denken Sie, daß solche Unterstellungenin Form einer Frage irgendeinem Menschen gestellt würden, und zwaraußerhalb des Gerichts, wie er darauf reagieren würde! Und das ge-schieht hier Tag für Tag! Denken Sie daran, wie die Schweizerreiseausgebeutet wurde! Erzberger wird befragt, ob er nicht Kolouial-vapiere gekauft habe. Pomona, das berüchtigte SpekulationSpapier!Alles wird abgeklopft, wie der Bergmann das Gestein abklopft, ob viel-leicht Erz dahinter wäre, hier, wie ich schon sagte, höllisches Erz! Beider Fleischversorgung werden alle möglichen Aemter durchgefragt? dieNohhäuteaktiengesellschaft, ob er da nicht Syndikus gewesen wäre, oderfür die Leute etwas getan Habe. Er sagt: Für eine Kriegsgesellschaft?Es genügt alles nicht, vielleicht doch! Alles und jeder muß herhalten,und es wird gefragt, bis ins Unendliche. Und gerade dieser letzter Fallist so außerordentlich interessant. Als wir Hier die Sache von denFleischversorgungsverbSnden erörterten, als Herr Erzberger sagte: Nie.nie habe ich etwas für Sie Gesellschaft getan, es war ja gar nicht möglich,denn die RohHaut--Aktien--Gesellschaft war ja eine Kriegsgesellschaft! --da sagte Dr. Helfferich: „Dann wollen wir erst abwarten, bis die Zeugenvernommen sind, dann wird Erzbergers Gedächtnis vielleicht lebhafterwerden!" So mutz diese völlig ergebnislose BeweisaufnahmeMindesten's mit einer Verdächtigung des Zeugen Erzberger schlichen.So wurde hier gearbeitet, so gearbeitet, datz es einem schwer fiel, dieHaltung und die Ruhe aufrecht zu erhalten, die man vor Gericht ge-wohnt ist.
Jedem Zeugen ist hier das Innerste nach außen, das Unterste nachoben gekehrt worden, und zwar unter der Immunität des Wahrheits-beweises- Es war eine Immunität, die der Angeklagte genoß. Denner hatte nur zwei allgemeine Behauptungen aufgestellt, alles, washinterher kam, wird durch den Wahrheitsbeweis geschützt.
Wenn ich das ganze Überblicks ist hier >ein Attentat ans die persön-liche Freiheit verübt worden, und ich hosfe, wenn erst der große Ent-rüstungsrummel über Erzberger vorbei sein wird, daß sich die Menschen,die noch Sinn für persönliche und individuelle Freiheit haben, endlichdarüber klar werden, wie vergiftend dieser Prozeß gewirkt hat, waS fürein schrankenloser Eingriff in die persönliche Feiheit es ist, in dieFreiheit des einzelnen Menschen, wenn man mit allgemeinen Ver-dächtigungen jeden Menschen vor Gericht zwingen kann und ihm seinhalbes Leben und ebenso alle Menschen, die mit ihm zu tun gehabthaben, nicht bloß nackt, sondern bis auf die Knochen ausziehen und aus-pressen kann! Ein jeder Mensch, der Sinn hat für die Freiheit derPersönlichkeit, mutz sich gegen dieses Verfahren, das sich hier abgespielthat, aufs äußerste wehren. Und ich hoffe, wenn erst die künstlich ent-eo