neten forderte, und daß man mir überall dankbar war, wenn durch meineTätigkeit eine Besserung erfolgte.. Im Volke sah man den Abgeordnetennicht als ein lästiges, sondern, wie selbstverständlich, als ein förderndes nudschützendes Element an und forderte mit vollem Recht, daß dieser den stärkstenDruck auf die verschiedenen Verwaltungsstellen ausüben müsse. Ich kannSie versichern, meine Herren, wären nicht die Abgeordneten ununterbrochenbemüht gewesen, bei eingehenden Beschwerden ausgleichend und vermittelndeinzugreifen, so wurde die allgemeine Unzufriedenheit — namentlich awgesichts der Knebelung der Presse — mit den doch vielfach so belästigendenKriegsmaßnahnien noch viel größer geworden und der innere Zusammen-bruch noch weit früher eingeireten sein. Ich sah immer die vermit-telnd e T ä t i g k e i t des Abgeordneten, so viel Zeit und Arbeit sie auchbeanspruchte, als eine der schönsten Seiten der Abgeordnetenvflicht an. Hilseleisten, wo andere nicht mehr helfen können, ist mir immer eine Freude ge-wesen und soll es bleiben, auch wenn jeder solcher Schritte verdächtigt wird.Solche Hilfe gewährte ich Tausenden, Bekannten und Unbekannten. Dadurste, konnte und wollte ich meine Freunde nicht hiervon ausschließen; siewären dann unter ein Ausnahmerecht gestellt worden. Ich hei>chte keineBevorzugung, sondern die Erfüllung berechtigter Wünsche im Nahmen derallgemeinen Interessen.
Korruption?
Der Angeklagte hat das Schlagwort von der Korruption leichi auf derZunge. War es denn auch Korruption, daß er als Koloniolbeamier zuerstsich für den Bau der ostafrikanischen Bahn einsetzte, an welcher die DeutscheBank sich stark interessierte, dann nicht lange danach in den Dienst der Deut-schen Bank trat? Daß er nach Uebernahme des Amtes als Reichsschatzsekre-mr durch das von ihm geforderte Stickstofsmonopol die ganze deutsche Stick'swffindustrie vor den Kopf stieß und nach der im Reichstag und unter denSachverständigen verbreiteten Ansicht die ganze Vorlage nur für ein.Ver-fahren Wert hatte, an dem die Deutsche Bank stark interessiert war? Wollteman ldas ganze Wirtschaftsleben nach dem Fragesystem des Angeklagtendurchschnüffeln, dann würde man jede Arbeits- und Unternehmungslust tötenund wir hätten bald absolute Kirchhofsstillc. Aber wir brauchen Leben undtätige Männer. Ich kann mich hier auf einen, auch für den Angeklagtenunverdächtigen Zeugen berufen: Ludendorff sagt in seinen Kriegserinnerun-gen zutreffend (S. 364):
„Der Weg, den unsere Entwicklung gegangen war, hatte nichtRaum zur Entfaltung von Persönlichkeiten gegeben ... Wir wirrenarm an Männern. Neue schöpferische Köpfe hatte unser politischesSystem nicht hervorgebracht. Es hat sich durch seine Unfruchtbarkeilsein Urteil gesprochen."Diese Sätze gelten auch dem Angeklagten.
Helfferich gege,/die Katholiken.
Der Angeklagte hat sich im Prozeß auch einmal darüber beschwert, daßich „hinter seinem Rücken" mich eines zurückgesetzten kath o lischen Be-amten angenommen habe. Auch dieser Vorhalt paßt zum Charakter des An-
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