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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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wesen noch das treue Abbild ihrer Reichsverwir-rung ist.

Einheit der Sprache, sagt man, sei die Grundlageder Nationaleinheit. Das Geld ist die Sprache desVerkehrs. Denken Sie sich, ein Deutscher müsstestets siebenerlei Wörterbücher bei sich führen, ummit seinen eigenen Landsleuten in Geschäften zu ver-handeln, und Sie werden von starken Zweifeln be-fallen werden über die Zusammengehörigkeit derReichsbewohner. Und dennoch verhält es sich so mitder Quintessenz aller Verständigungsmittel: mit demGelde. Kann man nicht eher noch ohne die Landes-sprache reisen, als ohne das Landesgeld ? Ich fürmeinen Theil stehe nie an einer deutschen Eisenbahn-kasse ohne Ingrimm über die Geduld, mit der wir dasunerträgliche Stück- und Flickw'erk und die schmählicheVergeudung der kostbaren Zeit in unserem Lammes-muthe ertragen. Der Mann am Schalter spricht inThalern und Groschen, vor mir aber müssen noch siebenLandsleute passiren, deren jeder eine andere Geld-sprache spricht und versteht. Der redet Gulden undKreuzer, jener Mark und Schilling, ein dritter Gold-thaler und Groten. Nun rückt die Frau vor, welcheihre Brieftasche so voll bayerischer Scheine hat, dasssie fünfzigmal ihre Reise zahlen könnte und heult inVerzweiflung, dass der Kassirer ihr für alle diese