XII
der Meyer sagte kürzlich in einer hiesigen Zeitschrift: DieBühne lechzt nach dem modernen Gründer. Ei wirklich,lechzt sie? Herr Meyer könnte das wohl wissen; er war früherFeuilletonist und Kritiker, und ist jetzt Generalsecretär desDeutschen Handelstages, und er wohnt zu Berlin im Börsen-palais. Aber Herr Meyer scheint den Gründer als einen tra-gischen Helden zu betrachten. Das ist nun freilich nicht meineAnsicht. Mein Gründer ist ein Halunke; aber ein genialer undamüsanter Halunke. Ich glaube den Gründer idealisirt zuhaben, denn im gewöhnlichen Leben ist er weder genial nochamüsant. — Ein Bühnenlenker redete mir zu, das Thema vonder gemüthlichen Seite zu nehmen. Ich solle das Schauspielzu einer Posse umarbeiten, den Gründer Couplets singen undCancan tanzen lassen. Wiowol diese geistreiche Wendung derWirklichkeit durchaus nicht widerspricht, so glaubte ich dochmich dazu nicht verstehen zu können. Mein Schauspiel er-scheint nächstens im Druck, und werde ich dann seine weiterenSchicksale erzählen.
Nach diesen fehlgeschlagenen Versuchen wandte ich michim August 1874 an die „Gartenlaube“, mit der ich seit achtJahren ausser Verbindung gewesen, und bot ihr eine Ileihe vonSkizzen überden Börsen- und Gründungsschwindel an. Neben-bei bemerkt, habe ich sie diesem Blatt zuerst und allein angeboten.Die Gartenlaube ist eine Tribüne, auf der es zu reden lohnt;sie hat an 400,000 Abonnenten, und man spricht zu etwa2 Millionen Leser. Auch ist der Herausgeber, Ernst Keil , einMann, der an sich glaubt, der da glaubt, dass er eine Missionhabe; und diesem Glauben verdankt er seinen kolossalen Erfolg.Trotzdem proponirte ich Herrn Keil nur eine Art von Feuille-tons, wobei ich die Namen der Objecte und der Personen fingi-ren wollte. Aber Herr Keil antwortete mir:
„Sollen die Artikel den beabsichtigten morali-schen Eindruck resp. eine sittliche Empörung hinter-lassen, so müssen dieselben, bei aller Lebendigkeitder Darstellung, eine einfache G-ruppirung der frap-pirendsten Thatsaehen enthalten, deren Authenticitätvon keiner Seite angreifbar sein dürfte. In der Gar-tenlaube suchen die Leser rücksichtslose Wahrheitu. s. w.“