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Das war weit mehr als ich gehofft hatte. Doch bemerkteich Herrn Keil in einer langem Unterredung, die zwischenuns stattfand und hei der ich ihm mein Programm entwickelte,dass „rücksichtslose Wahrheit“ etwas viel sei, und dasssie ihm leicht zu viel werden könne. Herr Keil gab das zu,und ich ging an’s Werk. Abgemacht w r ar, dass alle vierzehnTage ein Artikel erscheinen, etwaige Streichungen, Aenderun-gen etc. bei der Correctur vereinbart, Eeclamationen mir vor-gelegt, und wie es selbstverständlich ist, nicht ohne meineGegenbemerkungen abgedruckt werden sollten. Ich hätte dieAufsätze am liebsten anon3 r m veröffentlicht, aber Herr Keilforderte als Garantie meinen Namen, und ich durfte mich die-ser Forderung nicht entziehen.
Herr Keil konnte den ersten Artikel („Zur Einleitung“)nicht rasch genug erhalten; aber als er ihn hatte, liess er. ihnfast drei Monate liegen. Der Aufsatz erschien ihm viel zuscharf. „Ich will belehren, aber nicht erbittern undbeleidigen“, schrieb er mir; und in einem zweiten Briefe:dass' er die Fortsetzungen „nach der ersten Probe zu fürchtenhabe“. Nun ist es sehr schwer, einen verbrecherischen Schwindelzu entlarven, die Schuldigen zu brandmarken, „sittlicheEmpörung“ zu hinterlassen, und doch nicht zu „erbittern“und zu „beleidigen“. Aber dieser Widerspruch erklärt sichganz einfach. Herr Keil hatte von dem ganzen Schwindelkeine Ahnung, und er lernte ihn gleichfalls erst, aus meinenArtikeln kennen. Er erschrak als ich Personen nannte, dieeine grosse Stellung haben, oder Solche, zu denen er selber inBeziehungen stand; und er äusserte zu einem gemeinsamenBekannten: er könne sich um meiner Artikel halben doch nichtmit alten Freunden und Mitarbeitern Überwerfen. Es wider-strebte ihm, sowol Bekannte wie Gegner zu nennen. Er er-schrak als ich an die Spitze der Gründer das Haus S. Bleicli-röder und die Disconto-Gesellschaft stellte; als ich unter denGründerbanken die Deutsche Genossenschaftsbank von Soergel,Parrisius & Co. aufführte. War doch sein Freund, Herr Schulze-Delitzsch , Mitgründer und Aufsichtsrath dieser Bank; auchwährend der Schwindelperiodc, wo unter „Aufsicht“ des HerrnSchulze die Bank ihr Actiencapital fortwährend erhöhte, immerwieder „junge Actien“ mit hohem Agio ausgab, und eine Reihe