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Der Börsen- und Gründungs-Schwindel in Berlin : gesammelte und stark vermehrte Artikel der "Gartenlaube" / von Otto Glagau
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den Gründertaumel ist eine Gründerhatz gefolgt, diegleichfalls das Publikum benachtheiligt.

Ich liess dem Fürsprecher durch Herrn Keil erwiedern,dass mir von einerGründerhatz leider noch nichts be-kannt wäre, dass meine Schilderungen der allererste Versuchseien, den Schuldigen wenigstens moralisch beizukommen, unddass weder Herr B. noch sonst Jemand, auch selbst Herr Keilnicht, mich in diesem Unternehmen behindern sollten. Ich. erlaubte mir, Herrn B., der auch bei einerEntgründungmitwirkt, bemerklich machen zu lassen, dass sein warmes Ein-treten für Herrn A. vielleicht etwas unvorsichtig sei; insoferner doch wissen müsse, dass die öffentliche Meinung es bereitsfür geboten halte, die Parlamente von den Gründern undGründergenossen zu säubern, und diese Erkenntniss sich mehrund mehr auch in Parlamentskreisen selber Bahn breche.

Herr B. beehrte mich hierauf mit einem Briefe, worin erversicherte, dass er meineMeinungen und Bestrebungen voll-kommen theile; und schien im Uebrigen geneigt, Herrn A.aufzugeben.

Im Laufe des Sommers wurden ferner mehre Klagen,wegen angeblicherVerleumdung, gegen mich angestrengt.Da ich dieselben jedoch nur als Einschüchterungsversuche nahmund mich erbot, den Beweis der Wahrheit auch vor Gericht zuführen, wurden sie alsbald, und zwar ohne jedes Zuthun meiner-seits, wieder zurückgezogen.

Die grösste Aufregung, eine ungemeine Erbitterung riefenmeine Aufsätze unter der Judenschaft hervor. Und docli hatteich weiter nichts gesagt als: Die Juden vermehren sich inBerlin heftig. Es sind durehgehends wohlhabende und reicheLeute (S. 148). Die schönsten Häuser und Villen in Berlin gehören den Juden (S. 102). Herr Keil, der, wie seine Briefebekunden, jedes meiner Worte abwog, hatte diese Sätze nichtim mindesten beanstandet. Nun regnete es von allen SeitenBeschwerden und Vorstellungen, die wieder eine merkwürdigeUebereinstimmung in Worten und Wendungen bekunden. Manbeklagte sich stets überIntoleranz undInhumanität, dop-pelt auffällig und unwürdig imaufgeklärten 19. Jahrhundert,wo die Welt von Freigeistern regiert ,wird. Man bezeichnetejene Sätze als gehässige Denunciationen; gleichviel, ob man

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