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Der Börsen- und Gründungs-Schwindel in Berlin : gesammelte und stark vermehrte Artikel der "Gartenlaube" / von Otto Glagau
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ihre Dichtigkeit bestritt oder zugab.Es ist ja nun einmalThatsache, schreibt ein Anonymus, der sichEin Kämpfer fürHecht und Wahrheit! unterzeichnetdass die Juden, trotzihrer kleinen Anzahl, im Besitze des meisten Geldes sind. Siehaben sich durch Klugheit, Besonnenheit und grosse Erfahrungim Handel diese vielen Geldmittel zu verschaffen gewusst.Der liebe Gott weiss stets, wem er Gutes zu gehen hat odernicht, und hat er auch hier wiederum bewiesen, dass die rich-tigen Menschen mit Beichthum bedacht worden sind.-.

Die Beclamationen kamen von Gebildeten und Ungebildeten,von Männern und Frauen. Ein Fräulein Merste ordent-liche Lehrerin an der jüdischen Gemeinde-Mädchenschule zuBerlin , hat, um nachzuweisen, dass jene Sätze, diebesondersHass und Verachtung gegen die Juden erregen,faktisch Un-richtiges enthalten, einen drei Bogen langen Brief geschrie-ben und eine Fülle statistischen Materials beigebraelit, wodurchsie darthun will, dass die Juden in Berlin sich keineswegs soheftig vermehren, und die hiesige jüdische Gemeinde gar vieleArme, Kranke etc. zu unterhalten habe. Im Uebrigen meintsie:Was Wunder, wenn das »auserwählte Volk«, dessen ein-ziges Erbtlieil der Handel war, durch Jahrhunderte der Ver-folgung und Erniedrigung, allein und in Verbindung mit denGeschäftsfreunden christlichen Glaubens, sowie mit den Ver-tretern unserer höchsten Aristokratie (LaskersEnthüllungen!),wiederum in die Anbetung des goldenen Kalbes verfiel!

Verschiedene Correspoudenten beschwerten sich über Aus-drücke wieauserwähltes Volk,Kinder Israel,Nachkom-men Abrahams. Die Juden schämen sich als oihrer Geschichteund ihrer Vorfahren; was freilich begreiflich wird, wenn manbemerkt, wie sie sich überhaupt ihres Namens schämen. Siewollen nicht mehrJuden genannt werden; höchstensjüdischeLeut. Sie verändern ihre Vornamen, machen aus WolfWilhelm, aus Jacob Jacques, aus Enoch * Eduard, ausLob Louis oder gar Luigi. Und ebenso verwandeln sie ihreZunamen. Es ist erklärlich, wenn ein zarter Lyriker nichtHeymann Levi heissen mag, ein dramatischer Dichter auf demTheaterzettel nicht Katzke Lubliner genannt werden will; abersehr unnöthig erscheint es, dass auch Privat- und Geschäfts-leute ihre Namen ändern und besonders gern französiren; z. B.