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nennen. Zu den wenigen, welche es verdienten, freundlicheAufnahme in allen Kreisen und Schichten unseres Volkes zufinden, gehörte in erster Reihe die Gartenlaube. Wir sagenabsichtlich „gehörte“, weil sie auf dem besten AA r ege ist. durchHerrn Otto Glagau einen guten Theil des an ihr gerühmtenVorzuges zu verlieren. Seit Monaten erscheint aus der Federdes genannten Schriftstellers eine Reihe von Artikeln, welchedie Namen derjenigen Männer dem erstaunten Deutschland insGedäclitniss zuriickrufen sollen, die mit Glück und Geschickes verstanden haben, durch allerlei gewagte und kühne Opera-tionen — „Gründungen“ genannt — sich kolossale Reich-thümer zu verschaffen. AA r ir sind weit entfernt, das Unter-nehmen an sich zu missbilligen, ja wir halten es sogar fürverdienstlich, die Gründungs-Millionäre hin und wieder daranzu erinnern, dass man die Quelle ihrer Reichthümer kennt undihnen deshalb diejenige Achtung versagt, welche sonst imöffentlichen Leben jeder ehrliche und redliche Arbeiter findet.Die Art und Weise aber, in der die Gartenlaube ihr moralischesBedürfniss befriedigt, verdient ernste Missbilligung. Es genügtihr nicht, einzelne Personen an den Pranger zu stellen, nein,sie brandmarkt mit einem bei ihrer Geschäftsroutine eigentlichunverzeihlichen Leichtsinne ganze Klassen, die so unschuldigan den A r erirrungen der Jahre 1871 und 72 sind, wie unsereEnkelkinder. Weil neben Pürsten, Herzogen und Grafen sichunter den professionellen Gründern eine Anzahl Juden und zwarnicht etwa in überwiegender Zahl befunden haben, inaugurirtdie Gartenlaube eine neue „Hep Hep “-Periode. AA r ie kommtsie dazu, die 50,000 Juden Berlins für die Sünden einiger ver-einzelter Glaubensgenossen mit verantwortlich zu machen?Warum richtet sie ihren heissenden Spott und ihre hetzendenWorte gegen diese vielen Tausende um der Sünden Einzelnerwillen? Herr Glagau müsste denn glauben, das Gründen seiein jüdisches Dogma? Um gerecht zu sein, hätte er dochmindestens den hohen Gründungsadel und die liirten adligenund bürgerlichen Gefährten in protestantische, neu- und alt-katholische rubriciren müssen, vielleicht hätte er dann kost-bares Material für die Statistiker geliefert.. Herr Glagau istaber auch so ungeschickt, zu vergessen, dass von den mehr alseine Million zählenden Einwohnern Berlins nur ein einziger