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Selbstredend stieg mit den Miethen auch der Werthder Häuser und der Begehr nach ihnen. Ein Hausin Berlin war bis dahin ein ziemlich zweifelhafterBesitz. Gar viele Bauunternehmer und Bauspeculantender vierziger, fünfziger und auch noch* der sechszigerJahre hatten ihr menschenfreundliches Bemühen, die„Wohnungsfrage“ zu lösen, hart büssen müssen, indemsie ihre kurze Laufbahn gewöhnlich in „Möser’s Ruh“,in dem damaligen Schuldgefängniss beschlossen. Aufallen Häusern lasteten grosse Hypotheken, der Grund-besitz in Berlin war mit vier Fünftel des Werths ver-schuldet. Reiche und vornehme Familien pflegtenlieber zur Miethe zu wohnen. — Das änderte sich nunmit einem Schlage. Privat- und Geschäftsleute kauf-ten plötzlich um die Wette Häuser; um der ewigenMiethssteigerung zu entgehen, um nicht etwa ausge-miethet zu werden. Banken und Actiengesellschaften,Banquiers und andere Geldleute erstanden in „bester“Gegend die „feinsten“ Häuser. Seitdem befinden sichdie stolzesten Paläste im Innern der Stadt} und dieherrlichsten Villen rings um den Thiergarten im Be-sitz der Kinder des auserwählten Volks, in den Hän-den der Börsianer und Gründer.
Sobald das eigene Bedürfniss befriedigt war, begann