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dem Tempelhofer Felde entstand die Barackenstadt;und Viele hausten in alten Eisenbahnwagen, unter denDrehscheiben der Bahnhöfe und unter den Viaductender Verbindungsbahn. Wie zu einem Schauspiele wall-fahrten die Berliner hinaus, und die Zeitungen schil-derten in farbigen, launigen Feuilletons die „Barackia“.— Das aber geschah, während der Milliardenstromsich über Deutschland ergoss, und die Gründer undihre Helfershelfer den allgemeinen Wohlstand, die un-geheure Vermehrung des Nationalvermögens predigten.Die Regierung empfand den bittern Hohn, und hobdie Baracken auf.
Weitaus die Mehrzahl der Baugesellschaften bautenicht und beabsichtigte auch gar nicht zu bauen. Sieentwarfen Baupläne, steckten Strassen, Strassen-Viertelund Marktplätze ab, chaussirten und legten Trottoirs,parcellirten und „schlachteten Baustellen aus“. UmKäufer anzulocken, hielt man „Baustellen mit Bau-geld“ feil; d. h. die Baugesellschaft, die häufig zu-gleich eine „Baubank“ war, schoss das Geld zumBauen vor, und stundete wol auch noch die Kauf-summe für den Bauplatz, theilweise oder gänzlich.Trotzdem blieben die Baulustigen vereinzelt; und dieda baueten, fanden in der Regel nicht ihre Rechnung.