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Der Börsen- und Gründungs-Schwindel in Berlin : gesammelte und stark vermehrte Artikel der "Gartenlaube" / von Otto Glagau
Entstehung
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Als im Sommer 1874 die Villen-Colonie Lickter-felde ein gemeinsames Fest beging, erhob sieb einerder Theilnehmer zu einer Tischrede. Eine klassischeReminiscenz aus Tertia überkam ihn, und er sprachdie geflügelten Worte: Als die verwittwete Frau DidoKarthago anlegte, zerschnitt sie bekanntlich das Felleines Stiers in lauter dünne Riemen. Wenn aberheute eine Colonie gegründet wird, so braucht manmehr als Einen Ochsen, so sind dazu viele Ochsennöthig. Meine Herrschaften, ich bin einer der Ersten,

die hier gebaut haben!--

Um ihre Actien unterzubringen, warfen die Bau-gesellschaften Bauzinsen aus das ist wieder eineArt der famosenBörsenzinsen.Während derBauzeit sollten die Actionäre 4, 5, oder gar 6 Pro-cent Zinsen erhalten; und viele Baugesellschaften zahl-ten Jahre lang Bauzinsen ohne je zu bauen. Selbst-verständlich staken dieBauzinsen schon in dem sohoch wie möglich gegriffenen Actien-Capital, und dieActionäre bezahlten sie thatsächlick wieder selber, ausder eigenen Tasche. Dieses Verfahren ist aber nichtnur eine Taschenspielerei, sondern auch gesetzwidrig.Das Actiengesetz vom 11. Juni 1870 besagt in Artikel217 ausdrücklich:Zinsen von bestimmter Höhe diir-