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Nachdem die Preussische Bank , die theilweise ein
Staatsinstitut war, glücklich in die „Reichsbank“
umgewandelt worden, die eine reine Actiengesellschaft
ist; nachdem die „Meistbetheiligten“ der Preussischen
Bank — das sind die grossen Financiers, die Matadore
der Börsianer und Gründer — mit Hülfe der Herren
Ludwig Bamberger und Genossen glücklich zu
„Reichsbank-Antheilseignern“ erhoben sind, und damit
jede Concu'rrenz todt gemacht ist, soll nun auch das
dem Leichtsinn. Dagegen plaidirte er im Reichstag für dieEisenbahn-Gesellschaften, denen er zu Lasten des Postfiscusein artiges Geschenk zuwenden wollte; worauf der General-Postmeister ihm entrüstet zurief: Das Reichsfass soll wiedereinmal angezapft werden! Herr Richter meinte: wenn nichtReichsfass, dann Publikum; und schien nicht abgeneigt, selbsteine Erhöhung der Portotaxen zu bewilligen. Aus diesen Vor-gängen wollen „Staatsbürger-Zeitung“ und andere Blätter denSchluss ziehen, dass Herr Richter sich zu sehr für das Klein-wie für das Grosswucherthum begeistere; und drohen, wenn erdiese Leidenschaft nicht zügele, ihn kalt zu stellen.
Gegen den Beschluss von Magistrat und Stadtverordneten,also für Uehernahme der Leihämter haben sich die meistenBezirksvereine erklärt, und sich dadurch in der öffentlichenMeinung wieder etwas reliabilitirt. Auch die „Vossische“ undandere Zeitungen traten, zu Gunsten der armen Leute, warmfür Erhaltung der Leihämter ein. Gegen dieselben, als „un-volkswirthschaftlich“, eiferten u. A. die „Tribüne“ und die„Volkszeitung“ des Herrn Franz Duncker , das echt demokra-tische „Organ für Jedermann“; dessen Redakteur, Herr Sachse,in öffentlichen Vorträgen ebenso entschieden die Börsensteuerbekämpfte.