Druckschrift 
Der Börsen- und Gründungs-Schwindel in Berlin : gesammelte und stark vermehrte Artikel der "Gartenlaube" / von Otto Glagau
Entstehung
Seite
219
Einzelbild herunterladen
 

der Manchesterleute; und sie haben ein Staats-Institutnach dem andern zu beseitigen gewusst. Die Seehand-lung musste die Erdmannsdorfer Spinnerei verkaufen,welche dann Robert Thode & Co. und Richard Schwe-der in eine Gründung verwandelten, deren Actien heuteca. 20 notiren. Die Seehaudlung muss auch die bis-her Königlichen Leihämter in Berlin aufgeben, damitder kleine Mann den Vampyren der Pfandleiher undRückkaufswucherer völlig überliefert werde.*)

*) Die Königlichen Leihämter sollten der Stadt Berlin überlassen werden, aber der Magistrat hat sich wiederholt gegendie Uebernahme erklärt. Der Hochweise Magistrat betrachtetdie Sache einfach alsGeschäft, und wiewol sonst nichtsweniger als sparsam und wirthschaftlich, findet er diesesGe-schäft nichtrentabel genug. Er leugnet sogar, dass einBedürfniss vorliegt, meint vielmehr, dass die Leihämter nurder Lüderlichkeit und Vergnügungssucht der untern Classen

Vorschub leisten.-DieVäter der Stadt scheinen nicht

zu wissen, dass der Arme in der Regel nach dem Leihhauswandert, um sich undseiner Familie das Leben zu fristen, jaauch wol, um den Steuererheber zu befriedigen. Zu allen Zeitenist das Leihhaus die Bank und fast die einzige Zuflucht derkleinen Leute; aber gegenwärtig, wo ein allgemeiner Nothstandherrscht und immer bedrohlicher anwächst, werden die Leih-ämter auch bereits von den Mittelclassen stark angegangen.

Die Stadtverordneten traten dem Beschlüsse des Magistratsbei. Nur 22 Stimmen waren für Uebernahme der Leihämter, 43dagegen. Zur Majorität gehörten eine Schaar von Juden, Gründernund Gründergenossen, sowie die beiden Abgeordneten Virchowund Richter. Herr Eugen Richter , der grösse Volkstribun, thatgelassen den Ausspruch: die Leihämter dienen vorzugsweise