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Der Börsen- und Gründungs-Schwindel in Berlin : gesammelte und stark vermehrte Artikel der "Gartenlaube" / von Otto Glagau
Entstehung
Seite
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Was kein Gerichtshof, weder in Deutschland nochin Oesterreich , bisher glaubte ahnden zu können: die

auch als zarter Dichter bekannt, und neben Hermann Löwen-feld, Liquidator der ergründeten Eisenhahngesellschaft Erfurt-Hof-Eger, that den hochpoetischen Ausspruch:Dem Griin-dungssclnvindel ist die Gründerhatz gefolgt. (!!!)Die geschüftsmässigen Lärmmacher kaufen die gefallenen Pa-piere auf, um durch unberechtigte Forderungen den Cours zutreiben, und dann die Verfolgung der Gründer anderen Lärm-machern zu überlassen.-

Der Gerichtshof fand die Angeklagten des Betruges nichtschuldig, und verurtlieilte nur Julius Levy, Meyer, Henniges,Klusemann, Oelkers und Stromberg wegenVerschleierung zueiner Geldbusse von 500 resp. 100 Thalern. Simon Levy,Gustav Sommergut und Gustav Plaut gingen ganz frei aus.

Der Gerichtshof hielt die Kriterien des Betruges für vor-handen; meinte aber, dass es an einem Betrogenen fehle (!).Das Publikum im Allgemeinen könne nicht dafür an-gesehen werden (!!) Wenn ein Quacksalber sichArztnennt, wenn Jemand zum Spielen in einer ausländischen Lot-terie einladet, wird er kurzweg verurtlieilt, ohne dass man erstnach einemBetrogenen fragt. Die Actien der SiulenhurgerMaschinenfabrik sind über das ganze Land verbreitet, und unterden zahlreichen Actionären fehlt es gewiss nicht anBetro-genen.

Zwar hat der Staatsanwalt gegen das freisprechendeUrtel appellirt und, wie verlautet, die Vernehmung der erstenZeichner beantragt. Die ersten Zeichner aber sind wiederdie Gründer selber und ihre Verbündeten. Das grosse Publi-kum zeichnet überhaupt nicht Actien, sondern lässt sie erstspäter durch die Banquiers an der Börse kaufen. Wie esscheint, sind Staatsanwalte wie Richter in die Gründungskomö-dien und das Börsentreiben leider noch immer zu wenig eiu-geweiht.