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Erst neuerdings, wo das Uebel schon nicht mehrso crass auftritt, las man in einigen Zeitschriften Auf-sätze über Verschlechterung und Verfälschung desBiers, und auch im Reichstag kam die Sache zurSprache. Da geriethen die Brauer in Harnisch, wiesendie Beschuldigung mit Entrüstung zurück und drohtenmit gerichtlichen Strafanträgen.
Herr Richard Roesicke , der „gegründete“-Mit-vorbesitzer und jetzige Director der Schultheiss’schenBrauerei, erliess als Inserat eine lange Abhandlung,worin er nachzuweisen sucht, dass die Brauer nurwenig Malzsurrogate und gar keine Hopfensurrogateverwenden. Indess muss er doch zugeben: „dassdie Biere nicht mehr so stark gebraut und nichtmehr so lange gelagert werden, wie früher“.Das aber sind, wie Jedermann begreifen kann, zweiwesentliche Mängel, die allein schon die Verschlechte-rung des Biers erklären. Herr Roesicke meint zwar:die Fortschritte in der Brauereikunst, die Verwerthungdes Dampfes, die Vervollkommnung der Maschinen etc.
des Nothstandes haben endlich einige Berliner Blätter sich, aufihre Pflicht besonnen, und gegen die unverschämten Preise derFleischer, Bäcker etc. für das Publikum Partei genommen.So thaten namentlich die „Vossische“, die „Staatsbürger-Zei-tung“ und der „Figaro“ oder die „Neue Freie Zeitung“.
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