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III. KAPITEL.
zur Abhülfe gern bereit, sie hätten aber bis jetzt von diesemÜbelstande gar keine Ahnung gehabt. 1
Trotzdem wäre es fälsch zu glauben, dass nun etwaein grosser Kapitalbesitz und kaufmännische Routine einenExporteur der Stickerei seine Stellung völlig ausfüllenHessen . Freilich ohne viel Umlaufsmittel ist das Geschäftschon von vorne herein in seiner Entwicklung gehemmt.Amerika , der Hauptabnehmer, bezahlt frühestens mit 100Tage-Wechseln nach Empfang der Ware bei 6—7°/« Skonto ,viele Käufer aber rechnen unter Verachtung auf den Rabatterst nach sechs Monaten ab, und diese werden keineswegsunter die schlechten gerechnet. Erwägt man, dass der Kauf-mann einen Teil der Ware schon ein paar Monate vor ihremAbgang bezahlt hat, so ist unschwer einzusehen, dass selbstkleine Krisen Häuser mit geringem finanziellen Rückhaltesehr gefährden müssen. Dazu kommt noch, dass auch dernicht spekulierende Kaufmann gezwungen ist, von gewissenkouranten Artikeln nicht unbedeutende Posten auf Lagerzu halten, um etwaige Bestellungen auf solche Stapelwarerasch befriedigen zu können. Man braucht noch gar nichtan die möglicher Weise eintretende Entwertung solcherLager zu denken, um zu begreifen, dass damit an die Kapital-kraft der Kaufhäuser grosse Anforderungen gestellt werden.
Auch kaufmännische Routine, namentlich Vorsicht mitweitem Blick gepaart, ist bei dem weitverzweigten St. GallenerGeschäft, das ja fast buchstäblich nach allen Ländern der Erdegeht, von grösster Bedeutung. Manche Fabrikanten, die ohnegenügende kaufmännische Bildung leichtfertig den Exportselbst in die Hand nahmen, haben solche Verluste erlitten,dass sie bald auf ihre Unabhängigkeit verzichten mussten.
Kapital und kaufmännisches Geschick müssen nunaber — wenigstens bei grossen Häusern — ergänzt werdendurch guten Geschmack und eine gewisse künstlerischeBildung. Denn die Eigenschaft eines grossen Teils derStickereien als eines Bestandteils der feineren Konfektion
1 Vergl. Quellenangabe No. 13, 2. Jalirg. S. 24 und QuellenangabeNo. 12, Jalirg. 1886. No. lö.