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IV. KAPITEL.
Was den für die Maschine gezahlten Pachtpreis an-langt, so ist er bei den verschiedenen Pachtverhältnissenstets der gleiche, nur nach der Güte der Maschine schwankter zwischen 150 und 200 Fr. jährlich. Bei der Besprechungder Löhne werden wir des näheren sehen, dass hier, wennauch der Preis nicht billig ist, von einer Ausbeutung desArbeiters nicht gesprochen werden kann. Wohl aber isteine solche vorhanden bei der merkwürdigen Pachtberech-nung, die wir jetzt betrachten wollen. Sie wurde voneinem Vorarlberger Kaufmann in ausgedehnter Weisenamentlich gegenüber den von der übrigen Welt ab-geschlossenen Bewohnern des Lechthaies angewandt. Der-selbe berechnete den Pachtpreis nach der Zahl der ge-machten Stiche, und zwar liess er sich 8 cents für 100 Stichbezahlen. Rechnet man, was aber zu niedrig ist, eineArbeitsleistung von 2000 Stich pro Tag, so ergiebt sich perJahr 8 x 20 x 300 — 480 Fr. Pachtzins. Und dieser fürein schlechtes Werkzeug gezahlte Preis war noch zu-gestanden von dem Centralkomitee des Verbands. Wiehäutig mag er im Geheimen gesteigert worden sein!
Betrachten wir nun, ob und wie die Notwendigkeitder Unterstützung durch eine Fädlerin auf die Lage desStickers wirkt. Natürlich kommt für uns nur der Fall inFrage, wo die Fädlerin eine fremde Person ist, der derSticker als Arbeitgeber gegenübersteht. Der doktrinäreStandpunkt, der in der Verwendung von Familienmit-gliedern einen Segen sah, ist ja längst widerlegt undbedarf hier keiner Erörterung.
Die Zeiten, wo die Mehrzahl der Sticker fremde Fäd-lerinnen hatte, sind allerdings vorbei, viele Hausindustriellesind heute gezwungen, Familienangehörige beim Fädeln zuverwenden. 1 Nur die ganz guten Sticker, oder solche,
1 Es ist interessant zu sehen, wie sich die Verhältnisse von1880 1890 geändert haben. Es waren in der Fädlerei beschäftigt
im Jahre 1880
ledig
verheiratet
Kinder v.mönnl.
14 — 16 Jahrenweiblich
St. Gallen . . .
6055
1522
186
373
Appenzell ....
1252
502
398
588
Thurgau ...
1642
251
58
106