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V. KAPITEL.
Beuteltuchweberei, die sehr sorgfältige Arbeiter verlangt,zwischen 3,00 und 6,00 Fr.
Betrachten wir diesen Zahlen gegenüber den Tages-verdienst der Sticker, so ergiebt sich, dass die Fein- undSpezialitätensticker mit einem Verdienst von 4,35—5,80 Fr.noch immer zu den bestgezahlten Arbeitern der Nordost-schweiz gehören, die mittleren Sticker mit 2,40—4,25 Fr.hingegen ungefähr dem Durchschnitt entsprechen, und dieGrobsticker mit 1,85 — 2,30 Fr. mit zu den schlechtestgestellten Arbeitern gerechnet werden müssen.
Nicht uninteressant dürfte bei diesen Betrachtungensein, zu hören, dass dem Herisauer Waisenhaus ein Kindtäglich auf 82,5 Cents zu stehen kommt.
Was den Termin der Lohnzahlung anbetrifft, so findetdie Abrechnung zwischen Fergger und Einzelsticker alle14 Tage oder jeden Monat statt. Im letzteren Falle undda, wo noch längere Fristen bestehen, erhält der Arbeiterin kleineren Teilzahlungen Vorschüsse, die selbstverständlichdie Unklarheit über den wirklichen Verdienst nur vermehrenund oft zu leichtsinnigen Ausgaben verleiten.
Die Fädlerin wird, wie schon erzählt, von dem Stickeralle 14 Tage abgelohnt.
Die mir von den Arbeitern gemachten Angaben Uber ihren täglichen Verdienst beziehen sich auf eine Arbeits-zeit von 11 Stunden. In Wirklichkeit wird gegenwärtigdiese Stundenzahl im allgemeinen auch nicht, oder wenig-stens nicht bedeutend überschritten. Der siebenjährigeZwang des Verbands, der auch die Hausindustriellentäglich nur 11 Stunden arbeiten liess, hat die Sticker vonder guten Wirkung einer nicht zu ausgedehnten Arbeitszeitüberzeugt, so dass die relativ kurze Zeit, seit der sie sichwieder frei bewegen, diese Erkenntnis noch nicht vergessenmachen konnte. Es ist indessen gar keine Frage, dass beiden jetzigen Verhältnissen die Arbeitszeit bald wieder soausgedehnt werden wird, wie sie es vor 1885 gewesen ist.Im äussersten Osten des Gebiets zeigen sich schon Anfängedavon. In Vorarlberg und auf der Schweizer Seite den