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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
Entstehung
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VI. KAPITEL.

worfenen Häuser. Beiden Typen sind, wenigstens beiälteren Bauten, die zahlreichen kleinen Fenster gemeinsam,die nur durch geringe seitliche Zwischenräume getrennt,die ganze Front des ersten Stocks einnehmen. Sie sindimmer ein Beweis, dass das Haus schon vor Einzug derStickmaschine gebaut wurde. In später erstellten Gebäuden,bei deren Errichtung man von vorn herein auf ein SticklokalBedacht nahm, den sogenannten Stickerheimen, sind durch-gängig die kleinen Fenster den grossen gewichen.

Die innere Einteilung der Wohnung ist gewöhnlich so,dass sich im Parterre Wohnstube, Küche und Sticklokal,im ersten Stock 34 Schlafkammern, und in dem Giebel-raum noch ein zu den verschiedensten Zwecken verwandtesZimmer befinden.

Die Sticker, die kein eigenes Haus haben, haben ent-weder ein ganzes Haus gemietet dies ist meist an derPeripherie oder bei zerstreuter Wohnweise der Fall oder,was im Stickereicentrum und grossen Dörfern die Hegel ist,sie bewohnen nur einen Teil eines Hauses. Auch dann aberverfügen sie über Stube, Küche und, wenn Kinder da sind,über mindestens 2-3 Kammern, so dass eine Trennung derGeschlechter beim Schlafen auch hier überall stattfindet.Der Mietpreis einer derartigen Wohnung schwankt je nachder Gegend zwischen IGO und 300 Fr., in abgelegenen Dis-trikten geht er sogar auf 100 Fr. und manchmal nochweniger herunter. Der Geräumigkeit der Wohnungen ent-spricht im allgemeinen eine grosse Reinlichkeit und fastüberall das hervortretende Bestreben, die Wohnung innenund aussen möglichst freundlich auszustatten. Die erstenErsparnisse werden meist in diesem Sinne verwandt, wieauch bei den zur Miete wohnenden Stickern der Erwerbeines Hauses das Ziel aller Wünsche bildet 1 .

1 Der Freude an dem Besitz eines Hauses giebt ein Dialektgodiclitin derStickerei-Industrie (Jahrg. 87, No. 2) beredten Ausdruck. Esmögen zwei Verse hier Platz finden:

Mir isch es wobl, i clian es siige,

Seit i en eiges Hüsli ha,

Muess i au öppis Schulde träge