Wir wollen jetzt einen Blick auf die Lebensweise derEinzelsticker werfen. So mannigfach die äusseren Beding-ungen sind, unter denen diese Klasse lebt — man denkean die grossen Industrieorte und an das Häuslein auf ab-gelegenem Bergbange im einsamen Hochthal, an den Besitzdes Landwirts und an die Besitzlosigkeit des Maschinen-pächters, an den Fein- 'und an den Grobsticker — so wenigVerschiedenheit herrscht im Grunde genommen in der Lebens-weise. Es hängt dies eben damit zusammen, dass nicht dasEinkommen allein für einen grösseren oder geringeren Stan-dard of life massgebend ist. Der Feinsticker im industrie-reichen Centrum erreicht mit seinem nahezu doppelten Ver-dienst nicht allzuviel mehr als der Grobsticker in seinervereinzelt liegenden Wohnung an der Peripherie, die höherenHauspreise, die teueren Lebensmittel machen den Unter-schied bedeutend kleiner, als er zu sein scheint. Jedenfallszeigt, er sich nicht auffallend in der Nahrungsweise. Inden ländlichen Gegenden wird vielleicht etwas mehr Milchverbraucht, in einzelnen Distrikten, wie in Vorarlberg undim Rheinthal werden viel Maisspeisen gegessen, aber sonstsieht man überall dasselbe im allgemeinen nicht sehr er-freuliche Bild.
„Kartoffeln in der FrühDes Mittags in der Brüh’,
Des Abends mitsamt dem Kleid, NKartoffeln in Ewigkeit“.
Dieser Vers vom Thüringer Wald könnte auch hierentstanden sein. Manchem Sticker mag es wohl schwerankommen, wenn er dies Gericht jetzt mit seinem meistaus Surrogaten helgestellten sogenannten Kaffee, dem „ Päckli-
Wenn i no richtig zise cha
Und is au’s Hüsli no so chlei
Mir cliont’s doch vor, es sei so frei . . .
Drom möclit’ i jedem armen MändliGär, wenn er liet e Chinderschaar,
E Hüsli gönne und es G’ländliWo z’essid wachst för’s ganze JahrDamit er singe chönnt: JuchheiMir isch so himmlisch wohl und frei.