DIE VERBÄNDE DER EINZELSTICKER.
119
noch relativ gut waren, hat er oft eine steigende Be-wegung der Löhne verhindert, in den späteren schlechtenZeiten wenig genützt, da es da für viele überhaupt keineArbeit gab. Und andrerseits hat er nicht wenig dazu bei-getragen, dass die Abzüge und Retouren eine früher nichtgekannte Ausdehnung gewinnen konnten trotz der Institu-tionen, die gerade der Verband zur Verhinderung dieserÜbel schuf. Ein früherer langjähriger Sektionsvorstand hat,wie er mir versicherte, die feste Überzeugung, dass dasÜberhandnehmen dieser Schäden zum grossen Teil durch denMinimallohn verursacht wurde. Denn in der Neuzeit nachdem Fallenlassen der Lohnfixierung zeige sich eine auf-fallende Verminderung dieser gefürchteten Lohnkürzungen.
Ebenso hat der Minimallohn der Moral geschadet,indem seine Existenz Arbeitgeber und -nehmer veranlasste,ihn zu umgehen, wie er auch infolge dieses Umstandeseine Quelle der hässlichsten und nicht immer begründetenVerdächtigungen war.
Aber was man am wenigsten vermuten sollte, derArbeitgeber hat Nutzen aus dem Minimallohn gezogen.Freilich gilt dies nur für den soliden Exporteur, der dasGeschäft noch kaufmännisch und nicht börsenspielmässigbetrieb.
Wie schon früher ausgeführt, hatte sich mit der Aus-dehnung der Industrie und der Gründung von neuen Firmenein hauptsächlich durch diese geübtes Spekulationsgeschäftherausgebildet, das der ganzen Industrie, vornehmlich aberden alten Firmen zum grössten Schaden gereichte. Diesewussten nie, ob ihr Konkurrent, der gern die stille Zeitbenutzte, zu äusserst gedrückten Löhnen grosse PostenLagerwaren erstellen zu lassen, nicht in der Lage seinwürde, billiger zu liefern als sie. Jetzt war doch eineBasis für sie gewonnen, auf die sie sich bei ihrer Kalku-lation stützen konnten. Denn unter dem Minimallohnkonnte nun auch der Konkurrent nicht mehr arbeitenlassen, damit war aber auch für ihn der Anreiz, Lager-ware auf Spekulation herzustellen, verloren gegangen, umso mehr als ja in der guten Saison der Minimallohn auch