DIE VERBÄNDE DER EINZELSTICKER.
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hätte es denn z. B. genützt, wenn man den Minimallohnfrüher aufgehoben hätte? Ob Vorarlberg, dessen Bewohnerhauptsächlich feiern mussten, deswegen mehr Arbeit erhaltenhätte, ist einmal sehr fraglich, aber auch gesetzt, eshätte solche bekommen, zu welchem Preis dann wohl?Hätte nicht der schlechte Lohn zu Umgehungen der Vor-schriften über die Arbeitszeit notwendiger Weise führenmüssen, was wiederum nur zu Bestrafungen und darauffolgenden Austritten der Anlass gewesen wäre?
Die Ursache des Untergangs des Verbands ist viel ein-facher, aber auch viel schwerwiegender, sie ist auf dem Welt-markt zu suchen und liegt allein in der Arbeitslosigkeit. Dieseist es gewesen, die dem Verband den Todesstoss versetzt hat.Und gegen dieses Übel war eben auch unter der Sonne desVerbands kein Kraut gewachsen. Dieser konnte so wenigwie eine andere Macht der Welt der Mode vorschreiben,auch fernerhin gestickte Kleider zu bevorzugen. Und so-bald die Ungunst der Mode im unglücklichen Zusammen-treffen mit anderen Ursachen die Bestellungen so reduzierte,dass trotz elfstündigen Arbeitstags und trotz allgemeinerEinstellung der Samstagsarbeit ein Teil der Sticker kaumdrei Tage in der Woche zu arbeiten hatte, da hätte wirklichHeroismus dazu gehört, dem Verband, der einem momentangar nichts mehr nützte und nur die Freiheit beschränkte,treu zu bleiben. Vielleicht hätte er die Krisis überstanden,wenn man genügend Mittel gehabt hätte, die Arbeitslosenzu unterstützen. Schwer ist allerdings zu sagen, wie derVerband das nötige Geld hätte aufbringen sollen. Dennschon 1885 forderte man zu der Gründung eines Unter-stützungsfonds auf, man musste sich aber bald überzeugen,dass die Sticker bei der Lage der Industrie nicht imstandesein würden, die nötigen Mittel zusammenzubringen. DerVerband war zu sehr ein Kind der Not, als dass er für nochtraurigere Zeiten hätte Vorkehrungen treffen können. Dahätte er früher entstehen müssen.
Wir können den Centralverband, der wohl eine derinteressantesten Erscheinungen auf dem Gebiete der gewerb-lichen Vereinigungen war, nicht verlassen, ohne eine allge-