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SCHLUSS.
diese Nachteile der Hausindustrie werden schliesslich demZurückdrängen der Fabriken Halt gebieten, wann das abereintreten wird, kann man nicht sagen. In der Kettenstich-stickerei liegt die Sache ganz ähnlich, was Unzuverlässig-keit in den Lieferfristen anlangt, noch viel schlimmer, 1 abernichtsdestoweniger sind Fabriken in diesem Industriezweigetwas sehr Seltenes, obwohl man überzeugt ist, dass siedem Übelstand abhelfen würden. Wenn es in der Platt-stichstickerei auch nicht so weit kommen wird, weil sieweniger Saisongeschäft ist, die Arbeit sich also doch nichtso sehr auf einige Monate im .Jahr zusammendrängt, sokann man immerhin aus diesem Beispiel sehen, dass dieNachteile der hausindustriellen Arbeit erst spät der Fabrikeinen Stützpunkt geben werden.
Wenn ich jetzt versuchen will, die Bedingungen dar-zulegen, unter denen in unserer Industrie wieder gesundereVerhältnisse Platz greifen könnten, so muss ich von vorn-herein bemerken, dass meine Forderungen kaum realisierbarsein werden. Aber ich möchte sie doch, auch wenn siefromme Wünsche bleiben sollten, nicht unausgesprochenlassen, zumal sie mir Gelegenheit geben werden, Stellungzu einigen bis jetzt noch nicht berührten oder nur ge-streiften Fragen zu nehmen.
Es ist vor allem anzuerkennen, dass die beteiligtenKreise selbst mit ihren Bemühungen, die Leistungsfähigkeitdes Arbeiters durch Schulen und dergleichen zu heben, inden Gang der Dinge einzugreifen gesucht haben. Wiewir bereits wissen, besteht in Dornbirn in Vorarlberg seitDezember 1891 eine „k. und k. Fachschule für Maschinen-stickerei“, und in Grabs im Kanton St. Gallen hat man vorkurzem eiue gleiche Anstalt errichtet. Die Dornbirner Schule hat, wie allseitig anerkannt wird, für die kurze Zeitihres Bestehens sehr gute Erfolge erzielt und erfreut sichauch von seiten der Sticker der ihr zukommenden Beachtung.Es wurden vom Dezember 1891 bis Juli 1893 118 Stickerund 127 Nachstickerinnen fast unentgeltlich ausgebildet,
Vergl. Quellenangabe No. 2 S. 132.