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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
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SCHLUSS.

Erfahrungen gemacht. Ende der 80er Jahre hatte manversäumt, der aufkommenden Atzstickerei die nötige Be-achtung zu schenken und sah nun in dem schlechten Jahre1891 massenhaft Bestellungen nach Sachsen wandern. Manhat also allen Grund zu wünschen, der selbständige Fabrikant,der an den Exporteur lediglich verkauft, möchte wieder zugrösserer Bedeutung gelangen. Wohl gäbe es dafür einMittel: die Zurückdrängung der Hausindustrie, indem mansie dem Fabrikgesetz unterstellte. Das würde ihre Positiongewaltig schwächen und ohne Zweifel wieder der Fabrik diedominierende Stellung einräumen. Und damit würde auchder Fabrikant seine frühere selbständige Stellung wieder-gewinnen. Denn während jetzt die Kaufmannschaft durchihren Verkehr mit den Heimarbeitern geradezu auf dasFaconge.sehäft angewiesen ist, das sich naturgemäss auchauf die Fabrikanten ausgedehnt hat, würde dann mit demErstarken der Fabrikindustrie auch ganz von selbst dasPlatzgeschäft wieder an Bedeutung gewinnen.

Mit der Berührung dieses Punktes aber haben wireine Frage von weitgehendster Bedeutung gestreift: Fabrikoder Hausindustrie? Auf die Frage, die Praktiker undTheoretiker von heute bewegt und in zwei Lager spaltet,in ihrer Allgemeinheit einzugehen, ist hier nicht derPlatz, sie soll nur in Bezug auf unseren speziellenFall erörtert werden. Sie liegt da ja auch viel in-teressanter wie gewöhnlich. Hausindustrie und Fabrikbedienen sich hier derselben Maschine, und die Fabrik istes, die hier Gefahr läuft, von der Heimarbeit vernichtet zuwerden. Gewöhnlich ist es umgekehrt, weil die Haus-industrie der Hülfsmittel der Fabrik entbehrt und infolge-dessen technisch und sehr oft auch ökonomisch minderwertigist.Fort mit ihr, denn sie kann dem Arbeiter kein menschen-würdiges Dasein schaffen, sagen deshalb ihre Gegner.Nein,sagen ihre Anhänger,das ist zu radical, es giebt auchHausindustrien, die gar nicht den Verzweiflungskampf mitder Fabrik ausfechten, da sind die Lohnverhältnisse nichtschlecht, ganz abgesehen von den sonstigen Vorzügen dieserUnternehmungsform.