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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
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SCHLUSS.

Schuld an diesen Dingen in die Schuhe zu schieben, 0 würdefalsch sein, aber zum Teil hat sie sie hervorgerufen, das istausser Zweifel. Und wie hat sie dem Arbeiter geschadet !Hat sie ihn nicht zu einer übermässig langen Arbeitszeitverleitet, hat sie ihn nicht Weib und Kind in unvernünftiger,schamloser Weise zur Arbeit heranziehen lassen-' Niemandwird dies bestreiten können.

Aber, sagen andere,die Hausindustrie hat auchVorzüge. Liegt nicht in ihr der Grund der guten Wohnungs-verhältnisse, hat sie damit nicht die Sesshaftigkeit der Be-völkerung unterstützt? Gewiss das hat sie, und sie hatda einen Vorzug gegenüber der Fabrikindustrie. Das trifftauch für die Schweiz mit ihren über das ganze Land zer-streuten Fabriken zu. Aber man darf diesen Vorteil auchnicht überschätzen, denn wenn in unseren 3 Kantonen zu-sammen in jedem bewohnten Haus nicht mehr wie durch-schnittlich 1,37 Haushaltungen sind, so kann sich dochunmöglich der Fabrikarbeiter in schlechten Wohnungs-verhältnissen befinden. Andrerseits aber verrichten dieFabriksticker ihre Arbeit in sehr gesunden Bäumen, wasman von der Hausindustrie nicht immer behaupten kann.Die früheren Webkeller, in denen ja glücklicherweise nurder kleinere Teil der Einzelsticker arbeitet, sind, wie wirgesehen haben, mit liecht allgemein als gesundheitsschäd-lich verrufen.

Einen anfänglich wirklich bestechenden Grund zugunsten der Hausindustrie führte mir ein intelligenter Ar-beiter im Toggenburg an:Bedenken Sie, welch eine Ent-wertung des Grund und Bodens namentlich in unseren Tiocli-thälern eintreten müsste, wenn die Stickmaschine nicht denverschuldeten Besitzern das Manko im Erwerb deckenwürde. So einleuchtend der Grund im ersten Moment ist,so verliert er doch bei ruhiger Betrachtung sehr an Be-deutung. Denn einmal hätte er nur für einen Teil derHausindustriellen, nämlich für den, der auch wirklich Grundund Boden hat, Gültigkeit, dann aber scheint mir beinäherem Zusehen die Gefahr mit dieser Bodenentwertungnicht so bedeutend zu sein, als es ursprünglich aussieht.